100 Jahre Kreismuseum Wewelsburg
Text: A. F. v. Mollard


Wewelsburg, Paderborn
Die Wewelsburg in Büren, Kreis Paderborn – eine der wenigen Burgen in Deutschland mit einem dreieckigen Grundriss


Seit der Kreis Paderborn am 29. Mai 1985 die Patenschaft für die Heimatkreise Meseritz und Schwerin/W übernommen hatte – Symbol dafür ist der Gedenkstein vor dem Kreishaus in Paderborn – ist der HKr Meseritz dem Museum auf mehrfache Weise eng verbunden. Bis zu ihrer Auflösung im Jahre 2009 war die damalige Heimatstube, eine Dauerausstellung der beiden Heimatkreise mit der Thematik „Deutsche im östlichen Mitteleuropa - Kultur, Vertreibung, Integration“ im Keller des ehemaligen SS-Wachgebäudes der Wewewelsburg untergebracht.
Darüber hinaus beherbergte und betreute das Kreismuseum die sog. Meseritz-Sammlung, ein Konglomerat aus Büchern, Dokumenten, Urkunden, Fotos und mancherlei anderer Gegenstände vom schwarzen Hochzeitskleid bis zum hölzernen Kleiderbügel aus der Meseritzer Heimat, die meist aus Nachlässen von verstorbenen Heimatfreunden stammten und dankenswerter Weise vom Kreismuseum verwaltet, katalogisiert und Interessenten zu Forschungs- und Recherchezwecken zugänglich gemacht worden waren.

Auf den damaligen Leiter des Kreismuseums Wewelsburg, Wulff A. Brebeck, (gestorben 2011) geht die Idee zurück, die Geschichte und Kultur der Vertriebenen auch in den Vertreibungsgebieten selbst darzustellen. So entstand eine bis heute gepflegte, äußerst positive Dreierbeziehung zwischen dem Kreismuseum Wewelsburg, dem Museum Alf Kowalski in Miedzyrzecz und dem Heimatkreis Meseritz. M. E. könnte das abgebildete Logo der Wewelsburg ohne Weiteres auch die gute, gedeihliche Zusammenarbeit der drei genannten Institutionen symbolisieren!


Wewelsburg, Paderborn


Ein Teil der Exponate aus der Heimatstube und aus der Meseritz-Sammlung wurde 2010 dem Museum in Meseritz als Dauerleihgabe überlassen und repräsentiert dort seit 2012 in einer Dauerausstellung anderthalb Jahrhunderte deutsche Kultur und Geschichte unserer Heimatregion. 2017 zogen alle sog. zweidimensionalen Archivalien unserer Sammlung, d.h. die Bücher, Bilder, Urkunden etc. von Wewelsburg zur Martin- Opitz-Bibliothek, Herne um. Sie sind jetzt Eigentum der Bibliothek, so dass dieser Teil der Meseritz-Sammlung im digitalen Bibliothekskatalog erfasst und weltweit zu Forschungs- und Recherchezwecken genutzt werden kann.

Ein unvergessener Meilenstein in besagter Dreiecksbeziehung war die Ausstellung von Sargportraits, die das Museum Meseritz unter der Leitung seines Direktors Andrzej Kirmiel aus seiner einzigartigen Sammlung 2015 im Burgsaal der Wewelsburg der deutschen Öffentlichkeit präsentierte. Auch wenn sich heute nur noch ein Restbestand unserer Sammlung, die sog. „dreidimensionalen Objekte“ im Kreismuseum befinden, waren wir, d.h. Joachim Gladisch mit Frau sowie meine Frau und ich gern der Einladung zum Jubiläumsempfang gefolgt.

Am Eingang zur Burg begrüßten die Gastgeber des Empfangs, Landrat Christoph Rüther und Museumsleiterin Kirsten John- Stucke die Gäste und empfahlen ihnen das im Burghof vorsichtshalber unter einem Zelt aufgebaute Büfett mit kalten Erfrischungsgetränken. Für die Übermittlung unserer Glückwünsche blieb kaum Zeit, da ständig weitere Gäste eintrafen und persönlich begrüßt wurden.

Bald war es 17 Uhr geworden, und im bis auf den letzten Platz gefüllten Burgsaal eröffnete der Landrat die eigentliche Veranstaltung mit der Begrüßung der zahlreich gekommenen Ehrengäste, wobei er auch die Vertreter vom Heimatkreis Meseritz erwähnte. Während die musikalische Umrahmung in den Händen des Streichquartetts der Nordwestdeutschen Philharmonie lag, führte ein Moderator durch das Programm. Zunächst überbrachte Ministerpräsident Hendrik Wüst per Videobotschaft die Glückwünsche der NRW-Landesregierung, gefolgt von Heinz Köhler, der vor 40 Jahren die Patenschaft für unseren HKr übernommen hatte und heute Vorsitzender des Fördervereins Kreismuseum Wewelsburg ist. Da auf der Wewelsburg seit 1924/25 neben dem Museum auch eine Jugendherberge beheimatet ist, ergriff schließlich der Vorsitzende des DHJ-Landesverbandes Westfalen-Lippe das Wort, bevor in einer faszinierenden Präsentation Fotos aus der wechselhaften Geschichte des Kreismuseums gezeigt wurden.
Im Mittelpunkt des Programms stand eine Talkrunde mit dem Thema „Reif fürs Museum?“, in der neben Museumsleiterin Kirsten John-Stucke vier weitere Vertreter/innen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Universität Paderborn, der Landeszentrale für politische Bildung und der benachbarten Jugendherberge Statements zu Aufgaben und Arbeiten eines Museums abgaben.


Wewelsburg, Paderborn
Die Talkrunde zum Thema „Reif für das Museum?“


Als ein Beispiel vorbildlicher Museumsarbeit sei an dieser Stelle ein Artikel aus der Jubiäumsbroschüre KMW 100 (mit freundlicher Genehmigung) wiedergegeben, der die Vielschichtigkeit und verantwortungsvolle Tätigkeit des Kreismuseums widerspiegelt:

Das bronzezeitliche Griffzungenschwert wurde bis 2018 im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn ausgestellt. Es zeigte sich, dass der Schwerttyp für Westfalen ohne Parallele, in der Donauregion hingegen weit verbreitet ist. Die genaue Recherche nach seiner Herkunft belegte, dass es aus der Sammlung des jüdischen Kaufmanns Moritz Rothberger (1865–1944) aus Wien stammt.
Im Februar 1939 versteigerte das Auktionshaus Hans W. Lange in Berlin dessen umfangreiche Sammlung antiker sowie ur- und frühgeschichtlicher Objekte. Die Sammlung wurde im Auftrag Heinrich Himmlers für die SS erworben und nach Wewelsburg geschafft, wo sie von dem dortigen SS-Archäologen Wilhelm Jordan (1903– 1983) katalogisiert wurde.
Infolge der Sprengung der Wewelsburg durch die SS am 31. März 1945 ging der Großteil der archäologischen SS-Sammlung verloren. Erst für das Jahr 1967 lässt sich dieses Schwert im Kreismuseum nachweisen. Die ursprüngliche Herkunft blieb unbekannt.
Im Jahr 2022 restituierte das Kreismuseum das Schwert an die Erben Rothbergers und kaufte es danach für seine Sammlung wieder an, um damit an den Kulturgutraub durch die SS zu erinnern.



Wewelsburg, Paderborn
Griffzungenschwert, Bronze, mittlere bis jüngere Bronzezeit, ca. 1300 – 1100 v. Chr.; Zugang: 1939/2022


Dem offiziellen Programm des Jubiläumsempfangs folgte ein Imbiss mit geselligem Beisammensein, in dessen weiteren Verlauf wir Gelegenheit hatten, Frau John-Stucke für die Einladung zum Jubiläumsempfang zu danken.
Unser Dank galt und gilt vor allem der Mühe und Sorgfalt, die das Museum Wewelsburg in der fast auf den Tag genau 40 Jahre währenden Patenschaft des Kreises Paderborn für die fachgerechte Lagerung und Betreuung der Meseritz- Sammlung aufgewendet hat.
Als Zeichen unserer Dankbarkeit haben wir Frau John-Stucke das Silberne Ehrenzeichen des Heimatkreis Meseritz überreicht.

Dieser Beitrag hätte bereits im August 2025 als Lektüre veröffentlicht werden sollen, aber auch mit einem halben Jahr Verspätung ist er noch genauso aktuell wie unsere stetige Dankbarkeit gegenüber dem Jubilar.