Wanderungen um Meseritz

Text : Marie Matthias und Dr. R. Ehrhardt aus einem Buch von 1936
Abbildungen:
Archiv Heimatgruß


Allgemeines über die Meseritzer Landschaft
Unsere Gegend ist, wie die gesamte Ostmärkische Landschaft, eine spröde Schöne, sie kommt dir nicht entgegen, du mußt ihr schon nachlaufen, aber dann…
Dieses „aber dann“, nämlich unsere zahlreichen schönen, hügel- und waldumkränzten Seen, ist allerdings von Meseritz so 4 bis 5 km entfernt. Wie erklären wir uns diese Eigentümlichkeiten?

Meseritz liegt ungefähr in der Mitte des Beckens, das einst ein riesiger Stausee war, dessen Tiefe die gelehrten Leute auf 100 m schätzen. Dieses Becken wird von einem sandigen Stufengelände umgeben, das auf Endmoränenbildung zurückzuführen ist. Die Seen um Meseritz liegen alle im Bereich dieser Sandstufen; man schiebt die Entstehung auf die Stauwirkung der Anhöhen in vorgeschichtlicher Zeit.

Der Meseritzer Kessel, fast eben, liegt 50 bis 51 m über dem Meeresspiegel. Der Sandrand steigt auf 6 bis 80 m an und erreicht mit den Russenbergen bei Kainscht seine höchste Stufe in 138 m.
Am stärksten prägt sich der Rand im Westen und Südwesten aus, weniger im Norden, Nordwesten und Nordosten. Im Süden haben wir rechts der Brätzer Kunststraße kurz vor Heidemühle den Gr0ßvaterberg oder die Fischberge, an die sich südlich Meseritz die bis zu 86 m steigenden Königsberge anschließen. Weiter haben wir nach Westen zu die Nipterschen Sandberge, auf deren Höhe 77 der Bismarckturm steht. An diese Sandberge schließt sich das umfangreiche Kainschter Hügelgelände an, das, wie schon oben gesagt, in den Russenbergen 138 m seine höchste Erhebung aufweist.
Nach Norden zu ist der Meseritzer Kessel ausgedehnter, zeigt auch als Reste des alten Seebeckens wechselnde Sandhügel und sumpfige und torfige Stellen. Da haben wir das große Luch oder den großen Lug. Am Ostrand dieses Luchs auf Kalzig zu liegt der Hexenberg, 63 m hoch. Westlich davon finden wir den Heidelug und Gräberlug, an dessen Südrand den 63 m hohen Gräberberg. Nach Norden schließt sich an Gräber- und Heidelug das Birkluch an, schon im Kreise Schwerin liegend.

Ein altes Überbleibsel des ursprünglich großen Sees ist der im Norden von Meseritz gelegene, jetzt nur noch auf der Karte vorhandene, gänzlich verlandete und verschilfte Grasige See. Er lag rechts der Schweriner Kunststraße, durch einen Waldstreifen von ihr getrennt, etwa dem Südende des Glembuchsees gegenüber. Er war einst mehr als 1 km lang. Dem Nordende des Glembuchsees gegenüber, gleichfalls rechts der Straße, befand sich der jetzt nicht einmal mehr auf neuen Karten vorhandene, sondern nur noch auf ganz alten Karten und in Urkunden lebende Schützensee.
Im Süden der Stadt, unterhalb der Königsberge, haben wir übrigens auch noch ausgedehnte Bruchgelände: das Große Bruch oder den Großen Lug.

Unsere Meseritzer Landschaft wird einmal durch das alte Seebecken bestimmt, in dessen Sandränder Seen und Wälder eingebettet sind und zum anderen durch die Obra, die das Becken von Ost nach West durchfließt, und die besonders unterhalb von Meseritz durch einen eigenartig und vielfach gekrausten und gekrümmten Lauf Landschaftsbilder ganz besonderer Art schafft.
Jeden Naturfreund entzücken ihre herrlichen Hochufer mit altem Baumbestand, der Eichen von großer Mächtigkeit aufweist. Sind die Wege auch manchmal mühsam, der Lohn bleibt nicht aus.

Wandern wir über den soeben umrissenen Raum hinaus so treffen wir im Osten des Kreises auf die wunderschöne Seenkette zwischen Betsche und Tirschtiegel. Offenbaren sich uns hier die wunderbaren Reize unserer ostmärkischen Seen, so sind uns doch deren schönste Landschaften am Ostufer durch die Grenzziehung verlorengegangen.
Westlich von Meseritz ist uns in der Seengruppe um Kurzig, Samst, Weißensee ein Wandergebiet geschenkt, das den Naturfreund immer von neuem anlockt. Weiter haben wir bei Paradies, nun schon im Brandenburgischen, durch den Packlitzsee, um den sich herum eine ganze Anzahl kleinerer Seen scharen, ein weites Gelände, dessen „Befahrung“ sich lohnt. An der Meseritz-Schweriner Kreisgrenze übt eine besondere Anziehungskraft der 340 ha große Liebuchsee aus, der auch mit seiner größten Tiefe von 34 m an erster Stelle unserer heimischen Seen steht. Allein die nähere Umgebung von Meseritz zeigt ein Dutzend größerer und kleinerer Seen.

Ein größerer Ring um Meseritz weist deren 35 auf. Nehmen wir noch die Gruppe der Buchwald- und Lagowseen, den Bürgersee bei Bahnhof Gleißen-Seevorwerk und den Ankensee bei Königswalde hinzu, alle leicht erreichbar, dann sind es 40. Der Kreis Schwerin bietet uns auch noch 10 kleinere Seen, und wiederum nördlich davon, im Grenzgebiet des brandenburgischen Kreises Friedeberg, zwischen Warthe und Netze, finden sich so herrliche Waldseen wie der Lunkensee mit seinem an Wacholder reichen Walde. Wir können von Meseritz aus mehr als 60 Seen in Halbtags- oder Ganztagswanderungen erreichen. Alle unsere Seen wetteifern an Schönheit miteinander, und niemand darf sagen, unsere Gegend ist landschaftlich vernachlässigt.

Prof. Schütze, der bekannte Posener Geograph, bezeichnet die Seenlandschaft um Birnbaum und Meseritz als die größten und schönsten der ganzen Provinz Posen. Fast keiner unserer Seen liegt flach im Gelände und ist ohne Uferwald, sei es Kiefer- oder Mischwald; jeder von ihnen hat durch besondere Gestalt, durch Insel-, Werder- und Buchtenbildung, durch Hochufer oder Kesselform, ja durch Tier- und Pflanzenleben seinen eigenen Charakter.


Verlegung der Betriebsinspektion Frankfurt/Oder 2 nach Bentschen 1909


Verlegung der Betriebsinspektion Frankfurt/Oder 2 nach Bentschen 1909


Unser Wald
Vorherrschend ist der geschlossene Kiefernwald, wir haben auch prächtigen Mischwald: Laub- und Nadelholz jeglicher Art. Uralte prächtige einzelne Kiefern und Eichen bestimmen oft das Landschaftsbild, viele davon stehen unter Naturschutz. Auch der Wacholder, manchmal sehr reich und in märchenhaften Gruppen, gibt Wald und Heide einen eigenen Reiz. Häufig finden wir die Birken als lichte Verbrämung des dunklen Waldes, als Wegesaum und als Hain. Erscheint unsere Landschaft durch den Kiefernwald zuerst herb und düster, so wirkt sie bald froh und hell durch die Seen, die sich gleich schimmernden Perlenketten durch unsere Heimat ziehen. Wie locken die Seen zum erfrischenden Bade, und wie begeistert erobert sich die Jugend die Schönheit der Seen und Flußläufe durch Faltbootfahrten.

Der Kiefernwald, oft mit Fichten und Tannen durchmischt, spricht zu uns in allen Jahres- und Tageszeiten. Wir lieben ihn und seine Seen bei Sturm und Nebel, bei bedecktem Himmel und im Abendschein, wenn seine Stämme rot aufleuchten. Und was unser Wald bei Frost und Schnee zu schenken hat, das wissen auch die anderen. Kommen sie zu allen Freizeiten, so besonders gern für ein paar Wandertage in den Weihnachtsferien!

Viele alte Flur- und Ortsnamen, mancherlei Bodenfunde weisen zurück in die Zeit, da Wandalen und Burgunder den Boden beherrschten. Sage webt um Baum und Hügel und Burgwall. Städte sind in Seen versunken, Glocken klingen herauf, goldene Schätze liegen unter Findlingen, der wilde Jäger fährt nachts durch den Wald, begleitet von seinen schwarzen Hunden. Die Geschichte des Landes weiß viel zu erzählen von Kampf und Not und schweren Zeiten. Und nun hat das letzte Geschehen des großen Krieges mir mit seinem Fr iedensdiktat die schöne Heimat zerrissen und uns zum Grenzland gemacht.
Der urdeutsche Charakter ist unserer Landschaft geblieben. Weil sie so lebendig spricht, hat sie schon manchen Maler und Radierer zum Schaffen gezwungen.