Das 10. Heimatreffen der Meseritzer und
Birnbaumer in Perleberg in der Prignitz
vom 17. – 18.5.2019


Text: Dr. Martin Sprungala, Historiker M.A.-
Fotos: Dr. Martin Sprungala, Dieter Radomski




Die meisten Teilnehmer von Vorstand und Beirat waren bereits am Donnerstag, dem 16. Mai 2019 angereist. So bot sich ihnen die Möglichkeit für einen kleinen Bummel durch das einladende Städtchen Perleberg und während bzw. nach dem gemeinsamen Abendessen zu einer frohen, heiteren Wiedersehensrunde mit den Freunden aus Meseritz/ Miedzyrzecz und Posen/Poznan. Da ich selbst noch zwei Sitzungen am Donnerstag in Dortmund hatte, musste ich in der Nacht aus Dortmund anreisen, um am Freitag pünktlich um 10 Uhr zur Vorstands- und Beiratssitzung in Perleberg zu sein. Es war noch kalt und zeitweise fiel leichter Regen, doch das für das Wochenende angesagte Wetter versprach zu Recht einige sehr schöne, sonnige Tage mit Temperaturen von über 20° C.

In diesem Jahr sollte das Heimattreffen in der Perleberger Innenstadt in den Räumlichkeiten des Hotels Stadt Magdeburg stattfinden und nicht mehr wie in der Vergangenheit im Neuen Hennings Hofs, der aufgrund der sinkenden Teilnehmerzahl inzwischen zu groß und auch deutlich teurer schien. Als ich eintraf und eincheckte, saßen die Vorstands- und Beiratsmitglieder noch am Frühstückstisch. Es herrschten gute Laune und freudige Begrüssungsgespräche, so daß man sich sofort heimisch fühlte.

Heimattreffen Perleberg 2019Die Vorstands- und Beiratssitzung
Am Freitag,17. Mai 2019 fand die diesjährige Vorstands- und Beiratssitzung des Heimatkreises Meseritz e.V. und der Heimatkreisgemeinschaft Birnbaum schon morgens um 10 Uhr statt. Im Tagungsraum des Hotels eröffnete der Vorsitzende, Albrecht Fischer v. Mollard, die Sitzung. Er entrichtete Grüsse von Schwester Brigitte Baller, Eisenach. Im März hatte sie erklärt, aus Altersgründen ihr Amt im Beirat niederlegen zu müssen, da es ihr altersbedingt an körperlicher Beweglichkeit mangele, zum Glück sei sie geistig noch rege, betonte sie. Nachdem der Vorsitzende die Rechtmäßigkeit der Einladung und die Beschlußfähigkeit festgestellt hatte, konnte die Sitzung beginnen.

Nach der Totenehrung mit einer Schweigeminute folgte der Finanzbericht des Schatzmeisters Aribert Heinrich. Zur Freude aller konnte er feststellen, daß die Einnahmen im vergangenen Jahr wieder gestiegen waren und er seine großen Sorgen wegen deren Rückläufigkeit erst einmal beiseitelegen konnte. Die Arbeit des Heimatkreises ist damit für die nächste Zeit gesichert, aber er rief auf, nicht nachzulassen in dem Bemühen, denn die Kosten bleiben bei demographisch bedingt sinkenden Mitgliederzahlen gleich.
Besonderes Lob galt Frau Wilken, die seit Jahren die Buchführungsunterlagen auf „säumige“ Spender untersucht, die dann vom Vorsitzenden freundlich daran erinnert werden, daß der Heimatkreis ohne Geld seine Arbeit nicht erfüllen kann. Andreas Heinrich hat zusammen mit Dietrich Radomski die Kasse geprüft und letzterer beantragte die Entlastung des Vorstands und dankte für dessen gute und vorbildliche Arbeit.

Anschließend folgte der Bericht über die Entwicklung des „Heimatgruß“ durch die Redakteurin Thea Schmidt. Sie beklagte, daß die Kosten leider nicht zu reduzieren sind, im Gegenteil steht jetzt ein weiterer Kostenschub beim Postversand an. Die einzige Einsparung, die möglich ist, wäre die Reduzierung der Auflage, doch das wolle niemand. Die Zahl der Leser liegt immer noch über 800. Auch ist ein Rückgang der eingesendeten Beiträge zu beklagen, daher äußerte die Redakteurin die Bitte an die Leser, auch kleine, kurze Artikel zu schicken. Es müssen nicht immer mehrseitige Berichte sein – kurze Geschichten, möglichst ergänzt mit ein paar Fotos, sind bei den Lesern ebenso willkommen. Sie dankte dem Historiker Dr. Martin Sprungala für seine Beiträge und bekundete ihre Hoffnung, auch zukünftig weiter mit interessanten Aufsätzen beliefert zu werden. Das Gremium sprach Thea Schmidt seinen Dank für ihre Mühe und ihr Engagement aus, den Heimatgruß zu erstellen und zu versenden.

In Punkt 5 der Tagesordnung ging es um den Internetauftritt des Heimatkreises Meseritz. Dr. Sprungala stellte wie seit Jahren den Statistikbericht des Internetseitenbetreuers Edgar Lange vor. Die Besucherzahlen der Internetpräsenz des Heimatkreis sind im Vorjahresvergleich leicht zurückgegangen. Ein Vergleich gegenüber 2017/18 zeigt jedoch erfreulich konstante monatliche Zugriffszahlen – also auch keine großen Schwankungen der Besucherzahlen in den einzelnen Monaten. Auch haben sich die Zugriffe über die kostenfreie Seite bei Facebook auf die Internetseite, dank der Aktivitäten von Wanda Gladisch, erhöht.
Da das digitale HGr-Archiv derzeit Schritt für Schritt um alle noch nicht im Zugriff stehenden Ausgaben des Heimatgrußes ergänzt wird, ist parallel dazu die erforderliche Speicherkapazität beim Internet-Provider erweitert worden.
Zum Thema „Publizistische Projekte“ berichtete Dr. Wolfgang Kessler über den aktuellen Stand der von ihm realisierten Vorhaben, dem Register zum Heimatgruß und die Literaturerfassung über das Heimatgebiet des Altkreises Meseritz. Der Vorsitzende dankte Dr. Kessler und verlieh ihm für seine Arbeit die Silberne Ehrennadel. Er nannte es einen Glücksfall, daß er als ehemaliger Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne „an Bord des Heimatkreises“ ist. „Sie haben sich um die Heimatkreise Meseritz und Birnbaum verdient gemacht!“
Nach der Besprechung des Ablaufs des kommenden Treffens endete die Sitzung mit dem obligatorischen Spargelessen.


Heimattreffen Perleberg 2019Eine Rundreise mit der Erkenntnis „Woher
kommt unsere Milch?“

Am Nachmittag dieses Freitags fand die bereits siebte Rundfahrt durch die Prignitz statt, organisiert von Herybert Schulz. Auch diesmal gelang es ihm wieder, interessante, landschaftlich ausgesprochen schöne und teilweise auch wenig bekannte Aspekte seiner zweiten Heimat zu präsentieren, wie alle Teilnehmer erstaunt feststellten. Er bewies ein weiteres Mal, in der Prignitz genauso fest verwurzelt zu sein wie im Heimatkreis Meseritz.
Das Hauptziel heute war die ehemalige LPG, die „Agrargenossenschaft Karstädt eG“. Die etwa 50 Mitarbeiter bewirtschaften hier eine Betriebsfläche von 3.750 Hektar, vor allem zur Herstellung von Getreide (1.150 ha), aber auch Raps, Lupinen (520 ha), Silo- und Körnermais (750 ha), Zuckerrüben (40 ha) und Grünland (820 ha). Soviel Land braucht man für die Milchwirtschaft mit 1.250 Milchkühen, 1.300 Jungrindern und 220 Mutterkühen. Sie produzieren eine Milchmenge von 13 Millionen kg.
Nur die trockenen Zahlen zu sehen oder den landwirtschaftlichen Betrieb selbst einmal live zu erleben, sind zwei Paar Schuhe. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Kühe auf das Melkkarussell gebracht und innerhalb einer Runde gemolken werden. Etwa 60 Kühe finden hier Platz und 300 Tiere können pro Stunde gemolken werden. Die Haltung in den Ställen fand man dagegen als eher trist, aber auch die Milchwirtschaft ist hochproduktiv industrieartig gestaltet.
Neben dem Gebäude konnte man zwei große Zylinder, die Tanks für die erzeugte Milch sehen. Von solchen landwirtschaftlichen Betrieben gibt es ca. 18-20 im Kreisgebiet.

Heimattreffen Perleberg 2019Anschließend ging es weiter nach Dömitz. In einem Wald mit einem schönen See machten wir unsere Kaffeepause. Dann fuhren wir weiter zu den Lentscher Büschen, vorbei an der Burg Lenzen zur Fährstelle Lütkenwisch. Auf dem Rückweg passierten wir Schloß Gadow inmitten der wald- und wiesenreichen Landschaft der Löcknitz-Niederung, dem Besitz der Familie v. Moellendorff. Seit 1804 war Gadow im Besitz des berühmten preußischen Generalfeldmarschalls Wichard Joachim Heinrich v. Moellendorff (1724-1816), der 1793 das Posener Land für den preußischen König in Besitz nahm. Ihn beerbte sein Adoptivsohn Hugo v. Wilamowitz-Moellendorff (1806–1865). Zur Familie zählte auch Hugo Theodor Wichardt Freiherr v. Wilamowitz-Moellendorff (1840-1905) Gutsherr auf Gut Markowitz (Markowice, Kr. Mogilno), Politiker und Oberpräsident der Provinz Posen.
Gegen 19 Uhr waren wir dann um viele Eindrücke bereichert zurück. Den Abend konnten wir wieder mit den polnischen Gästen verbringen und uns austauschen.



Heimattreffen Perleberg 2019Das Heimattreffen
Am Samstag, dem 18. Mai, erfolgte der Einlaß in den großen Saal des Hotels ab 9 Uhr. 92 Teilnehmer, mehr als erwartet, trafen nach und nach ein. Um 10.15 Uhr eröffnete der Vorsitzende Albrecht Fischer v. Mollard das diesjährige Heimattreffen. Er dankte dem Beiratsmitglied Herybert Schulz, der von Helmut Kahl unterstützt worden war, für die gesamte Planung, Organisation und Durchführung des Heimattreffens und begrüsste dann die Ehrengäste.
Es ist gute Tradition, Gäste und liebe Freunde aus Polen willkommen zu heißen. Anwesend waren auch in diesem Jahr Wanda Strózczynska
aus Betsche (Pszczew), begleitet von ihrer Schwester Irene Golz aus Berlin.
Aus Posen / Poznan waren angereist die „Auslandskorrespondentin“ unseres Heimatgrußes und langjährige Freundin, Frau Prof. Dr. Malgorzata Czabanska-Rosada, ihr Bruder Tomasz Czabanski, Vorsitzender des Vereins POMOST, und ebenfalls seit nahezu 20 Jahren dem Heimatkreis Meseritz eng verbunden, sowie sein Mitarbeiter, Dr. Maksymilian Frackowiak, der am 4. Dezember 2018 an der Posener Adam-Mickiewicz- Universität seine Doktorwürde erlangt hat.
Ebenfalls gekommen waren die Meseritzer Freunde Andrzej Kirmiel, Direktor des Museums Meseritz, und Wojtek Derwich, vielen Heimatfreunden bekannt „als Helfer in allen Lebenslagen und multitalentierter Dolmetscher, Organisator, Betreuer und kompetenter Fremdenführer in unserer alten Heimat – der Meseritzer Hans Dampf in allen Gassen“.
Als Vorsitzender der Heimatkreise Meseritz und Birnbaum hatte Herr Fischer v. Mollard auch eine Einladung an die im Herbst vergangenen Jahres neu gewählte Landrätin des Kreises Meseritz, Agnieszka Olender, ausgesprochen. Bedauerlicherweise erhielt der Heimatkreis trotz Nachfrage keine Antwort.
Schließlich begrüsste er noch den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, „unseren ‚Chefhistoriker‘ Dr. Martin Sprungala, der aus zahlreichen Beiträgen im Heimatgruß allen Heimatfreunden bekannt ist. Es ist uns zwischenzeitlich gelungen, ihn und sein Fachwissen an uns zu binden, indem wir ihn als Mitglied unseres Beirates gewinnen konnten.“

Der Vorsitzende erinnerte daran, daß vor zwei Jahren der damalige Vorsitzende Leonhard v. Kalckreuth vor Antritt seiner Fahrt nach Perleberg einen Schwächeanfall erlitten hatte und zwei Monate später verstarb und in Betsche beigesetzt wurde.
„Zwar hat sich die personelle Leitung unserer Meseritzer und Birnbaumer Heimatkreise durch den Tod von Leonhard von Kalckreuth geändert, nicht aber das von ihm vorgelebte und praktizierte Bemühen um Ausgleich, um ehrliche, aufrichtige Freundschaft mit den Bewohnern unserer Heimatregion und insgesamt mit unserem östlichen Nachbarland Polen“, verkündete der Vorsitzende und berichtete über die erfolgreichen Projekte der letzten zwei Jahre.
Zuerst sind zu nennen: die Überlassung der Modelle der drei Kirchen von Klastawe, Obergörzig und Meseritz als Dauerleihgabe an das Museum Meseritz. Heimatfreunde aus Politzig/Policko stellten 2018 einen Gedenkstein in ihrem Heimatort auf. In Tirschtiegel/Trzciel wurde die geschändete Gedenkstätte auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof nach einem ökumenischen Gottesdienst neu geweiht. In Rybojadel/Rybojady (im Krieg Hoffmannstal) gedachten Heimatfreunde gemeinsam mit den heutigen Bewohnern ihres Dorfes der Gedenksteinweihe vor zwölf Jahren. Auch eine beeindruckende Privatinitiative restaurierte bzw. sanierte im vergangenen Sommer das sog. Dremel-Kreuz bei Scharzig/Szarcz.

Zu diesen erfreulichen wie ermutigenden Zeichen auf dem langen Weg zu Aussöhnung und Freundschaft, schilderte der Vorsitzende noch eine ganz aktuelle Entwicklung, einen Dialog, der Freude macht:
„Vor ziemlich genau vier Wochen erhielt ich von Helmut Kahl einen in facebook geposteten und maschinell übersetzten Bericht mit der Überschrift:
Geschichtsliebhaber räumen ehemaligen Evangelischen Friedhof in Trzciel auf.
Darin hieß es: Wie geplant haben wir es geschafft, bei schönem Wetter den Evangelischen Friedhof in Trzciel aufzuräumen. Heute haben wir natürlich nicht alles geschafft, weil es ein zu großes Gelände ist, aber zumindest einen Teil. War ehemals eine schöne Anlage mit einem edlen Stand und zahlreichen künstlerischen Grabsteinen. Heute ist es in erster Linie eine grüne Enklave am Rande der Stadt, dennoch ist es immer noch ein wichtiger und wertvoller Ort der Erinnerung, um den man sich kümmern muß.



Heimattreffen 2019


Schnell hatte ich vom Meseritzer Lokalredakteur Darius Brozek erfahren, dass hinter dieser Aktion der Historische Verein des Meseritzer Landes unter Leitung des Historikers Prof. Marceli Tureczek stand.
Also schrieb ich ihm eine E-Mail, in der ich mich zunächst vorstellte, ihm erläuterte, was mich mit Trzciel verbindet, und dann fortfuhr: Ich habe das starke Bedürfnis, Ihnen und dem Historischen Verein Miêdzyrzecz meinen ganz persönlichen Dank auszusprechen für Ihr Engagement und Ihre Mühe auf dem ehemaligen ev. Friedhof in Trzciel. Ich tue dies zugleich auch im Namen des Heimatkreises Meseritz und möchte Sie bitten, alle Helfer, die dort tätig waren, herzlich zu grüssen und ihnen unsere tiefe Dankbarkeit für die geleistete Arbeit zu übermitteln. Ich würde mich freuen, wenn es uns gelänge, über die Oder hinweg in einen Dialog zu treten, der eines Tages in aufrichtige Freundschaft zweier guter Nachbarn münden könnte.

Es vergingen keine drei Stunden, da hatte ich bereits eine Antwort von Prof. Tureczek:
Lieber Herr Albrecht Fischer von Mollard, danke für E-Mail. Der Kreis Meseritz - heute Ziemia Miêdzyrzecka - ist unsere gemeinsame Heimat. Sie und ich - wir sind hier geboren. Für mich und meine Kollegen ist dieser und andere Friedhöfe sehr wichtig. Ich freue mich über Ihre Dankbarkeit. Wir Polen und Deutsche müssen heute zusammen leben - ich kenne keinen anderen Weg für unsere Nationen. Sie sind mein Freund, und mein Haus ist immer für Sie geöffnet. Ich wohne in Wyszanowo - Wischen bei Meseritz in der alten Schule. Ich lade Sie ein, nach Polen und auch nach Wyszanowo zu kommen.
Mit Grüssen aus Polen für Sie, für alle unsere deutsche Freunde und den Heimatkreis Meseritz e. V.
Prof. Dr. Marceli Tureczek

Bei einer solchen Antwort aus Polen geht einem Heimatfreund doch das Herz auf – zumindest mir. Aus diesem Grunde habe ich nochmals reagiert und ihm erwidert:
Sie haben völlig Recht: Als Nachbarn müssen wir zusammen leben, und deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit, dass wir uns aufrichtig um ein freundschaftliches Miteinander zwischen unseren Völkern bemühen, nicht nur getragen von gegenseitiger Achtung und Gleichberechtigung, sondern auch vom Verständnis für die Geschichte und die geschichtlic
he Entwicklung des jeweils anderen. Wenn einer Nation ein Jahrhundert lang das Existenzrecht, das Recht auf den eigenen Staat verweigert wird, so wie mit den Polen geschehen, darf sich niemand wundern, wenn „im Kessel Überdruck entsteht“, der sich irgendwann seinen Weg sucht.

Meine Antwort hat Prof. Tureczek wohl gut gefallen, denn er schrieb mir einige Tage später:
Lieber Herr, Lieber Freund Albrecht Fischer von Mollard, danke für die schöne Nachricht. Wir denken identisch und es ist sehr wichtig, nicht nur für uns, sondern auch für die Zukunft unserer Kinder in Polen und in Deutschland. Nochmals vielen Dank, und ich lade Sie ein nach Polen. Soweit dieser Mut machende Dialog mit einem polnischen Professor für Geschichte, den ich bisher persönlich nicht kenne“, endete der Vorsitzende.

Im Weiteren erinnerte Herr Fischer v. Mollard an den sich in wenigen Monaten zum 80. Mal jährenden deutschen Überfall auf Polen, der unserem Nachbarland nach 5 1/2 Jahren Krieg und deutscher Besetzung am Ende rund 5,8 Millionen Tote abverlangt hatte.
„Niemand von uns ist für diese Katastrophe verantwortlich, aber obgleich wir als Flüchtlinge und Vertriebene in unserer Biographie selbst auch Opfer des Nazi-Wahnsinns wurden bzw. sind, lasten die Verbrechen nach meinem Verständnis auch nach 74 Jahren noch auf unseren Schultern, denn sie geschahen in deutschem Namen. Kein Deutscher, so denke ich, kann sich aus der Geschichte stehlen und behaupten, er habe nichts damit zu tun, weil alles vor seiner Zeit geschehen sei.
Wir, die Heimatkreise Meseritz und Birnbaum werden den Weg der Verständigung und der Versöhnung mit dem Ziel einer tiefen, vertrauensvollen Freundschaft mit Polen fortsetzen, so, wie wir sie seit vielen Jahren in unserem direkten Umfeld mit unseren polnischen Freunden erfahren und erleben dürfen. Wir hoffen dabei, dass jenseits der Oder in großen Teilen der Bevölkerung ein ähnlicher Wunsch besteht.“



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Im Anschluß an die Ansprache des Vorsitzenden folgte das Totengedenken durch den Schatzmeister Aribert Heinrich. Auch er schlug den Bogen sehr weit, von den Landsleuten, die im Januar 1945 vor der Roten Armee fliehen mußten, denen, die im Juni 1945 vertrieben wurden bis hin zu den heutigen Opfern von Vertreibungen und Gewalt. Er gedachte auch der jüdischen und polnischen Nachbarn, die im 2. Weltkrieg durch deutschen Haß und Gewalt zu Tode kamen. „Unsere Verantwortung gilt dem Frieden hier und auf der ganzen Welt.“ Das Gedenken fand seinen Abschluss mit dem gemeinsam gesprochenen „Vater unser“.

In seiner Ansprache dankte Tomasz Czabañski vom Verein Pomost für die 17-jährige Gemeinsamkeit. Er betonte, wie viel ihnen die Begegnungen mit den Heimatfreunden bedeutet:
„Eure Erfahrungen sind uns eine Mahnung.“ Auch Tomasz gedachte der verstorbenen Architekten und Brückenbauer der deutsch-polnischen Versöhnung, Leonhard v. Kalckreuth und Gretel Lehmann. Er erinnerte an 15 Jahre Mitgliedschaft Polens in der EU. Gegen die Politik des Hasses will Polen sein Votum bei der kommenden Europawahl abgeben.

Anschließend folgte der Vortrag „Kriegshandlungen 1945 im Kreis Meseritz im Licht archäologischer Exhumierungsarbeiten“ von Dr. Maksymilian Frackowiak, konsekutiv übersetzt von Joachim Gladisch. Er schilderte die Entwicklung in Polen seit dem Vertrag zur polnisch-deutschen Aussöhnung durch den Vertrag zwischen Ministerpräsident Mazowiecki und Bundeskanzler Kohl am 12.11.1989 in Kreisau (Krzyyowa). Erst die Änderung des politischen Systems in Polen führte dazu, daß auch die sterblichen Überreste deutscher Kriegsopfer geborgen werden können.
Seit fast 20 Jahren exhumiert der Verein Pomost unter der Kontrolle des Instituts für nationales Gedenken (Instytut Pamiêcy Narodowej, IPN) deutsche Soldaten und Zivilopfer.
Eine wichtige Arbeit dabei ist die Identifikation der Toten, vor allem durch die Erkennungsmarken der Soldaten. Die archäologische Begleitung der Exhumierungen ist durch das IPN verpflichtend vorgeschrieben. Dr. Frackowiak schilderte die russischen Angriffe auf Betsche am 28./29. Januar 1945 und die Kämpfe bei Politzig/Policko am 29. Januar 1945.

Heimattreffen 2019Etwa 200 deutsche Soldaten und Zivilisten kamen hier zu Tode (dokumentiert in dem Buch von Andrzej Chmielewski „1945 Policko“).
Der Referent berichtete anschließend über verschiedene Exhumierungen, auch über Kriegsverbrechen wie die Ermordung von Rot-Kreuz-Schwestern der „Evangelischen Frauenhilfe“ in Dürrlettel/Lutol Suchy.
Anschließend rief Herr Fischer v. Mollard zu einer Sammlung für den Verein Pomost auf, die am Ende 319,80 Euro einbrachte.

Auch Wanda Strozczynska bat ums Wort. Sie betonte die Bedeutung des Wortes Heimat, diese Bedeutung sähe man daran, daß die Heimattreffen immer noch aktuell sind. Weiterhin berichtete sie vom Gut Betsche/Pszczew und von den aktuellen Entwicklungen vor Ort. Der Hotelbetrieb wird durch die Brandkatastrophe nicht beeinträchtigt, so daß das Folwark Pszczew auch weiterhin und zukünftig gern für Touristen als Beherbergungsbetrieb zur Verfügung steht.


Heimattreffen Perleberg 2019Es gehört zu den erfreulichen Aufgaben eines Vorsitzenden, verdiente Mitarbeiter auszuzeichnen. An diesem Tag erhielten Dietrich Radomski und Andrzej Kirmiel die Silberne Ehrennadel.
Dietrich Radomski ist seit über 20 Jahren Mitglied im Beirat und Kassenprüfer. Er zählt zu den Arbeitern im Stillen.
Andrzej Kirmiel erhielt die Auszeichnung als „virtuelle Verdienstmedaille“ für seine Arbeit im Sinne des Heimatkreises.

Anschließend begann der gesellige Teil des Heimattreffens. Erst um 17 Uhr verabschiedeten sich die letzten Heimatfreunde. Vorstand und Beirat ließen das Treffen noch in Ruhe ausklingen und tauschten sich mit den polnischen Freunden aus, ehe auch sie am folgenden Morgen den z. T. weiten Heimweg antraten.


Das nächste Heimatkreistreffen wird am 16. – 17. Mai 2020 in Paderborn stattfinden.