Die Schulchronik der Schule in ScharzigDie Schulchronik der Schule
in Scharzig

Angelegt von dem Lehrer P. Petzelt 1873 –
umfaßt den Zeitraum von 1844 bis 1944


Bis uns vor einigen Tagen die Chronik der Scharziger Schule erreichte, wußten wir vom Heimatdorf Scharzig, das am Seziorka-See und dem Scharziger-See zwischen Betsche und Zielomischel
liegt, sehr wenig:
Nach Scharzig führte nur von Betsche aus eine befestigte Straße. Der größte Bauernhof, das Gut, wurde von Familie Josef Paech bewirtschaftet. Die Gastwirtschaft und das Kolonialwarengeschäft betrieben Roman und Cecilie Zerbe. Die Einwohner waren überwiegend katholisch, das Dorf hatte und hat keine Kirche.
So konnten wir aus dem kleinen Dorf im deutsch-polnischen Grenzland, von dem wir aus der Nachkriegszeit nur 3 Fotos besitzen über das Schicksal seiner ehemals deutschen Bewohner im Heimatgruß kaum etwas berichten. Das ändert sich nun durch den Erhalt der wertvollen Schulchronik der Schule in Scharzig.. Die Chronik umfaßt 155 Seiten in handschriftlichen Texten und hat ein Format von 21 x 33 cm. Sie soll weitestgehend in Fortsetzungen hier und im Heimatgruss veröffentlicht werden. Der Originaltext wird, an die Handschrift der Chronik erinnernd, in kursiv abgebildet.

Abschrift des Originaltextes (Abb. siehe unten):
Die Schule zu Scharzig ist eine katholische Schule und wird von den katholischen Familien der Gemeinden Scharzig und Zielomischel gebildet.
Dieselbe wurde um das Jahre 1844 gegründet und das Schulhaus nebst Stallung nach der Zeichnung der Königlichen Hochlöblichen Regierung zu Posen gebaut, da letztere eine Unterstützung von 100 Reichstaler (Preußische Währung) dazu gab.
Der erste ordentliche Lehrer war Herr Margraf von 1844 bis 1847. Darauf folgte der Lehrer Herr Pnoke von 1847 bis1850 und von 1850 bis 1851 wurde die Schule von dem Lehrer Grafstein verwaltet. In der Vacantszeit des Sommers 1851 wurde die Schule von dem Lehrer Herrn Krolkowski vertretungsweise verwaltet.
Während dieser Vertretung wurde der Schulunterrricht in dem Gemeindehause ertheilt, da der Schwamm in dem Schulhause war und dasselbe massiv unterfangen werden mußte. Darauf folgte im Herbste des Jahres 1851 der Lehrer Herr Robert Papryelic bis zum 1.ten April 1858.
Darauf folgte der Lehrer Paul Petzelt; derselbe machte 1869 die ersten Garten und Weinanlagen. Im Jahre 1861 wurde die offene Küche überwölbt und ein neuer Plattenofen in der Wohnung des Lehrers gesetzt.
Im Jahre 1862 machte der Lehrer Petzelt seine Wiederholungsprüfung und wurde in Folge dessen 1865 definitiv angestellt.
1868 wurde ein Stallanbau an die Scheune gemacht. Der Industrieunterricht wurde 1866 eröffnet. Das Gehalt des Lehrers betrug bis zum Jahr 1868, 45 Reichstaler von wo aus der Lehrer bei Veranlagung des neuen Etats eine Zulage von 8 Reichstalern erhielt.
Im Jahre 1849 erhielt der Lehrer eine Gehaltszulage von 10 Reichstalern; im folgenden Jahre eine Gehaltszulage von 18 Reichstalern, im Jahre 1872 eine Gehaltszulage von 30 Talern und im Jahre 1873 eine persönliche Zulage von 20 Reichstalern aus der Kasse des (?).
Im Jahre 1872 wurde im Herbste ein neuer Brunnen auf dem Schulhofe angelegt. Am 1sten Mai 1874 (?) wurde die hiesige Schule von dem Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Spretille visitiert. Am 15. Februar 1873 durch den Königlichen Kreisschulinspektor Herrn Erfurth visitiert.
gesehen 25.2.77
(unterschrieben)
Erfurth

Die Schulchronik der Schule in Scharzig


Von April 1875 bis Juni 1877 berichtet die Chronik über 8 Visitationen und öffentliche Schulprüfungen auch unter Mitwirkung der Lehrer. Am 15.2.1876 wird von der Königlichen Kreis-Schulinspektion angeordnet, daß der Religionsunterricht in deutscher Sprache zu halten ist, was in gleicher Zeit von der Königlichen hohen Regierung zu Posen bestätigt wurde.

In dichter Folge finden von Februar 1878 bis April 1880 weitere Visitationen durch den Königlichen Kreis-Schulinspektor Herrn Erfurth statt, die dann umbenannt werden in Revidierungen. Im Weiteren werden die Lehrer gebeten, die Prüfungen selbständig und öffentlich abzuhalten.
Im Monat Juni 1879 wurde der Stall auf dem Schulgehöft weggerissen und gleichzeitig die Abtritte (Toiletten) für Knaben und Mädchen besonders eingerichtet.

Ab November 1879 ist der Königliche Kreis Schulinspektor Herr Teklenburg für die Revidierungen in der Schule verantwortlich. In gleicher Zeit feiert Lehrer Petzelt sein 25jähriges Amtsjubiläum und seine silberne Hochzeit, zu der sich 9 Kollegen aus der Umgebung einfanden.

An einer öffentlichen Schulprüfung im April des Jahres 1880 nehmen auf Anweisung der Schulbehörde die Lehrer Weimann aus Stalun, Krolikowski aus Stokki und der Ortsvorstand aus Scharzig teil.
Am 18. Mai des gleichen Jahres wurde die Gegend von einem starken Frost heimgesucht, wodurch der Roggen und andere Früchte sehr litten. Im Sommer 1880 fand bei der hiesigen Schule ein Erweiterungsbau statt, der vom Maurermeister Giesel aus Betsche ausgeführt wurde.
Die Erweiterung bestand in einer zweiten Wohnstube, einer Räucherkammer und eines zweiten Kellers. Die Feuerung wurde ebenfalls neu ausgeführt und da dieselbe lauter russische Röhren bekam, mußte das Strohdach entfernt und durch ein Ziegeldach ersetzt werde. Auf dem Schulhof wurde zudem ein neues Backhaus errichtet. Der Unterricht wurde während des Baues in der Schulscheune erteilt.
Sämtliche Öfen wurden entweder um- oder neugesetzt. Leider stellte sich beim Heizen im Winter heraus, daß der Ofen im Anbau bei Ostwind nicht zu benutzen war, weil sämtlicher Rauch in die Stube kam. Es wurden viele Versuche zur Abhilfe des Übelstandes gemacht, bis jetzt aber ohne den geringsten Erfolg.

Im Jahr 1882 waren zur Prüfung im April die Kollegen aus Betsche und Stalun eingeladen und zugegen. Der Ortsschulvorstand war eingeladen, aber nicht erschienen und zeigte damit, wie wenig Interesse er für die Schule hat.

Die Schulprüfung 1883 fand im April statt und wurde vom Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Teklenburg selbst abgehalten. Als Gäste waren anwesend die Herren Kollegen Paech, Fuhrmannek und Kirscht aus Betsche, Weimann aus Stalun, Krolikowski aus Stokki und Gaettner aus Swiechocin.
Von den Ortsschulvorstehern wie auch von den Familienvätern der beiden Gemeinden Scharzig und Zielomysil war trotz ergangener Einladung niemand erschienen und das zeigt - wie in den vorigen Jahren - wie wenig Interesse sie für die Schule haben.
Bald nach der Prüfung brach unter den Schulkindern eine Scharlach- und Diphtherieepidemie aus, so das im Verlauf der Epidemie im Juni von 64 schulpflichtige Kindern nur noch 20 die Schule besuchten. Am 22. Juni 1883 wurde die Schule durch Verfügung des Landratsamtes geschlossen. Ein regelmäßiger Schulbesuch war erst im September wieder möglich.
Zur Abhilfe des Rauches in dem Anbau, wurde in der zweiten Hälfte des Junis ein neuer Schornstein an den Giebel des alten Hauses gebaut und zwar mit Erfolg.
Im September fand in der hiesigen Gegend in der Nähe unseres Dorfes ein erstes Manöver statt, ein sogenannter Vorposten-Biwak.

Die öffentliche Schulprüfung im April 1884 wurde im Beisein der Kollegen Weimann aus Stalun, Krolckowski aus Stokki und des Ortsschulzen Jesionek vom Lehrer selbst abgehalten. Von den Schulvorstehern und Familienvätern war trotz Einladung wieder niemand erschienen.
Es konnten 5 Kinder offensichtlich erfolgreich entlassen und am 1. Mai 10 Kinder neu aufgenommen werden.
Durch Dienststellenwechsel der Väter kam es in der ersten Jahreshälfte 1884 zum Weggang von 92 Schülern und zum Zuzug von 19 Schülern mit Eltern. Bis ins Schuljahr 1884 - 1885 verlief die schulische Arbeit auch mit ihren problematischen Prüfungen in gewohnter Weise.

Im Schuljahr 1885 - 1886 besuchten bei Beginn des Sommersemesters 65 Schüler den Unterricht - davon (wahrscheinlich war die Mitarbeit im elterlichen Betrieb notwendig) 28 die Hüteschule und 37 die verkürzte Sommerschule.
Während der Herbstferien erhielt die Schule 4 neue Schulbänke und eine neue Schultafel. Der Lehrer erhielt zum Austrocknen seiner Schlafkammer einen eisernen Ofen.
Ende November brachen unter der Schuljugend wieder die Masern aus, so daß von 60 Kindern nur noch 17 die Schule besuchten. Nachdem die Familie des Lehrers auch davon betroffen war, wurde die Schule vom 17. Dezember 1885 bis 7. Januar 1886 geschlossen.
Wegen der noch herrschenden Masern, der strengen Kälte und des schlechten Zustandes der Wege, war der Schulbesuch sehr unregelmäßig und auf 1/3 der Schüler zurückgegangen.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in der hiesigen Schule vorschriftsmäßig begangen und die Schuljugend mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Von den Mitgliedern der Schulsozität waren der Freigutbesitzer Herr Jesionek von hier anwesend. Die öffentliche Schulprüfung fand am 7. April 1888 statt und wurde vom Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Tecklenburg selbst abgehalten.
Von den Ortsschulvorstehern war der Ortsschulze Johann Zerbe und der Kassenrendant Julius Zerbe anwesend. Als Gast war der Lehrer Herr Weimann aus Stalun erschienen.

Schuljahr 1887/1888
Im Anschluß an das Erntedankfest beging die hiesige Schule mit Genehmigung des Herrn Kreis- Schulinspektors ein Schulfest am 4. September. Nachdem die Schulkinder mit Begeisterung das Schulzimmer ausgeschmückt hatten, wurden dieselben mit Kaffee und Semmeln bewirtet und danach ging es mit Gesang und Musik nach dem Festplatz, im Birkenwäldchen am Stalunerwege. Hier belustigten sich die Schulkinder mit Spiel, Gesang und Tanz, woran Jung und Alt mit Begeisterung teilnahmen.
Von Lehrern war Herr Weimann mit seiner Familie, Herr Paech nebst Frau und Herr Tichmannek ebenfalls mit seiner Frau anwesend. Herr Jesionek stellte nicht nur den Festplatz zur Verfügung, er gab auch noch ein Geschenk von 3 Mark. Der Festjubel dauerte bis spät Abend. Schon während des Aufenthaltes auf dem Festplatz, dann beim Antritt zum Rückmarsch und bei der Ankunft wurden Toaste auf Sr. Majestät und verschiedene andere Behörden und Persönlichkeiten ausgebracht. Einmarschiert wurde mit Beleuchtung. Bei der Entlassung der Schulkinder wurde der einstimmige Wunsch geäußert, sich im kommenden Jahre zu demselben Zeitpunkt wieder zu versammeln.

Am 17. November erhielt die hiesige Schule auf Veranlassung des Herrn Kreis-Schulinspektors Herrn Teklenburg 4 anatomische Wandtafeln. ... Der Schulbesuch im Monate Januar, Februar und März war wegen schlechter Witterung und schlechter Wegen sehr unregelmäßig.

Meseritz, den 9. März 1888
Sr. Majestät, unser Kaiser und König ist nach Gottes Rat und Willen aus dem Leben geschieden. Dem Schmerz des Volkes über den Heimgang eines solchen Herrschers Ausdruck zu geben, ist auch der Schule Pflicht. So lange die Landestrauer währt, ist das in den Schulzimmern befindliche Königsbild an seinem Rande mit schwarzem Band und Schleife zu umgeben. Sofern andere Bestimmung nicht getroffen wird, ist am Tage der Beisetzung der sterblichen Hülle der hochseligen Majestät, welche durch die Zeitung bekannt werden wird, des Morgens von 8 – 9 Uhr in Verbindung mit Gesang und Gebet eine Traueransprache an die versammelten Schulkinder zu richten. Über den Verlauf der Feier ist in der Schul-Chronik unter Abschriftnahme der Verfügung Bericht zu erstatten.
Der Königliche Kreisschulinspektor. gez.Teklenburg

Im Folge der Verfügung legte am 9. III.88, also am Tage der Beisetzung der sterblichen Hülle der hochseligen Majestät die hiesige Schule Trauer an, indem das Kaiserbild für die Dauer der Landestrauer mit Band und Schleifen und frischen grünen Kränzen umgeben wurde. Nach dem üblichen Morgengesang und Gebeten wurde vom Lehrer ein Traueransprach an die Schuljugend gehalten, wodurch die Kinder so tief gerührt wurden, daß ein allgemeines Schluchzen und Weinen ausbrach.
Hierauf wurde das Trauerlied, „Wer ist der Mensch, der sagen kann, ich werde einmal sterben?“ gesungen. Schließlich wurde noch ein Gebet gesprochen und die Kinder noch ermahnt, auch ferner in ihren täglichen Gebeten der dahingeschiedenen Majestät, Wilhelm I. zu gedenken...



1888 – das Dreikaiserjahr
Als Dreikaiserjahr ging das Jahr 1888 in die deutsche Geschichte ein. Auf Wilhelm I., der am 9. März in Berlin starb, folgte sein an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich Wilhelm als Friedrich III., der nach 99 Tagen Regentschaft am 15. Juni in Potsdam starb. Ihm folgte am selben Tag sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm, der als Wilhelm II., der den Thron als Deutscher Kaiser und König von Preußen bestieg.Innerhalb von nur 4 Monaten wurde Deutschland somit von drei Herrschergenerationen regiert. Wilhelm I. König von Preußen 1861 - 1888 Deutscher Kaiser 1871-1888 Bruder von Friedrich IV. entnommen: Edition Panorama, Berlin www.panorama-berlin.de Friedrich der III. König von Preußen Deutscher Kaiser 1888 Sohn von Wilhelm I. Wilhelm der II. König von Preußen Deutscher Kaiser 1888 - 1918 Sohn von Friedrich III. 1885 - 1887.

Bevor die Ereignisse des Dreikaiserjahres die Scharziger Schule errreichten, mußte die Schule wegen einer um sich greifenden Scharlach- und Diphterie-Epidemie geschlossen werden. Es wird berichtet, daß von 64 Kindern nur noch 20 die Schule besuchen konnten. Die Schließung erfolgte auf Anweisung der höheren Schulbehörde in Meseritz. Ein Ereignis, das in unserer alten Heimat nicht selten geschah.

1887 / 1888
Mit Beginn des Wintersemesters wird durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Posen in der hiesigen Schule der gesamte Unterricht auf eine rein deutsche Grundlage gestellt. Es fiel demnach nicht nur der polnische Sprachunterricht weg, sondern es wurde auch in sämtlichen Unterrichtsfächern einschließlich des Religionsunterrichtes auf allen Stufen die deutsche Sprache die alleinige Unterrichtssprache...

1888 / 1889
Am 2. Januar verzogen 14 Kinder aus Scharzig, nur ein Kind ist zugezogen. Die Kinderzahl in der Scharziger Schule betrug nun 62 Kinder. Da der Geburtstag Sr. Majestät Wilhelm II. einen Sonntag traf, so wurde er bereits am 26.Januar gefeiert. Einen besonderen Eifer zeigte die hiesige Schuljugend bei der Ausschmückung des Schulzimmers und der drei Kaiserbildnisse. Schon mehrere Tage zuvor wurden Kränze geflochten und das Schulzimmer damit auf das Schönste ausgeschmückt. Die Feierlichkeit begann mit Gesang und Gebet. Darauf hielt der Lehrer eine Ansprache an die Kinder, worin auch der beiden verstorbenen Kaiser gedacht wurde. Dann folgte die Nationalhymne und mehrere andere patriotische Lieder, welche von den Kindern mir wahrer Begeisterung gesungen wurden. Danach wurden die Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Da die Witterung eine Belustigung im Freien nicht zuließ, so belustigten sich die Kinder in der Schulstube.

1889 / 1890
Am 26. Mai hierorts und in der Umgebung trat ein Hagelschlag auf, der die Ernte hierorts teilweise in den Ortschaften Schilln, Neuschilln, Dreifrei und ein Teil der Betscher Feldmark ganz vernichtete. Es fielen 400g schwere Eisstücke vom Himmel. Die Zahl der in der Schule zu unterrichtenden Kinder steigt im Sommer 1890 auf 82 Schüler. Da die Schule zu klein ist, sämtliche Kinder gleichzeitig zu unterrrichen, wird der Unterricht in drei Stufen abgehalten. Die Stufe eins beginnt um 6 Uhr früh bis 9 Uhr vormittags, die zweite und die dritte Stufe von 10 Uhr bis13 Uhr.

1891 / 1892
Bei der Aufnahme des Haushaltsplanes der hiesigen Schule für die Zeit vom 1. April 1891 bis 31. März 1897 wurden die Naturalien und das Holz für den Lehrer mit Geld abgelöst. Als Holzgeld inclusive Anfuhr und Kleinmachen des Holzes erhält der Lehrer jährlich 120 Mark. Ende April wurde wegen der kostspieligen Umzäunung die Baumschule beim Schullande aufgehoben und die Gemeindebaumschule dem Lehrer als Schulbaumschule übergeben.

1892 / 1893
Der Sommer 1892 war auffallend trocken, infolge dessen eine Mißernte der Sommerfrüchte. Der Winter war sehr streng, die größte Kälte war minus 22°C.

1893 /1894
Die Witterung im Sommer 1893 war trocken und zufolge dessen eine Mißernte der Sommerfrüchte und Futtermangel. Vom 1. Oktober 1893 wurde das Grundgehalt der hiesigen Lehrstelle auf 1000 Mark erhöht, wodurch der Lehrer jährlich einen Zuschuß von 130 Mark erhält.
Die öffentliche Schulprüfung fand am 30. März 1894 statt. Da der Lehrer am 26. März bettlegerisch an der Gelbsucht erkrankt war, so wurde die Prüfung von Schulrat Herrn Tecklenburg selbst abgehalten.
Noch vor der Prüfung wurden 7 vierzehnjährige Kinder entlassen und 2 Knaben gingen nach Dormowo in den Dienst. Es verblieben demnach 78 Kinder.
Der Lehrer war infolge der Krankheit so angegriffen und schwach und so wurde demselben durch Mitteilung des Schulrates Herrn Tecklenburg von der Königlichen Regierung Schonung bis zum 1. Juli erteilt.
Bis zum 18. Mai fiel der Unterricht gänzlich aus. Der Herr Lehrer Zirus aus Stalun war nun beauftragt vom 18. Mai bis zum 1. Juli den Unterricht der hiesigen Schule zu erteilen; wofür er vom Lehrer Petzelt freie Kost und Wohnung erhielt. Den Religionsunterricht erteilte der Lehrer Herr Weimann ebenfalls aus Stalun und erhielt dafür nur eine Renovation von 20 Mark. Daß durch den Ausfall des Unterrichtes die Kinder in den Kenntnissen zurückblieben, ist selbstverständlich. 1895 / 1896 Im Monat Mai schlug der Blitz in die Scheune des Eigentümers Johann Symklak ein und es brannten demselben zwei Scheunen ab. Im Verlaufe des Sommers schaffte die hiesige Gemeinde eine Feuerlöschspritze an.
Die Hitze des Sommers erreichte eine Höhe von 35 bis 38°C im Schatten. Die Roggenernte lieferte weniger Stroh als sonst, aber mehr Körner.

1896 / 1897
Im Monat April zogen 4 Kinder zu und am 1. Mai wurden 15 sechsjährige Kinder aufgenommen. Demnach betrug die Kinderanzahl am 1. Mai 1896 114.

An den Schulgebäuden fanden nur kleinere Ausbesserungen statt. Ende Oktober wurden für den Lehrer und die Knaben neue Aborte gebaut. Wegen herrschender Masern unter den Kindern war die Schule im Monat Februar 3 Wochen geschlossen. Infolge der ansteckenden Grippe im Monat März unter den Schulkindern war der Schulbesuch sehr unregelmäßig.
Am 1. Oktober 1897 trat der Lehrer Albert Bierwagen aus Skrzypno, Kreis Pleschen die hiesige Lehrstelle an. Die Berufungsurkunde ist datiert vom 7. August. Die amtliche Einführung fand gleich am ersten Unterrichtstag nach den Herbstferien, am 18. Oktober durch den Königlichen Kreisschuldirektor Herrn Schulrat Tecklenburg aus Meseritz statt.
Zu Beginn des neuen Schuljahres zählte die Schule 95 Kinder einschließlich der 7 neu aufgenommenen. Von diesen 95 Kindern waren 40 nur deutsch, 4 nur polnisch und 51deutsch und polnisch. Infolge Erkrankung des Lehrers fiel der Unterricht vom 13. bis 31. August aus.
Zu Beginn des neuen Schuljahres am 6. April betrug die Schülerzahl 94.
Das diesjährige Kinderfest wurde am Donnerstag, dem 20. August in üblicher Weise gefeiert. Die Ungunst des Wetters – es regnete bis 4 Uhr nachmittags heftig - hinderte ein größeres Zuströmen auswärtiger Gäste, doch war dafür die Beteiligung seitens der Angehörigen der Kinder umso größer.
Erst bei eintretender Dunkelheit bemerkte der Schreiber dieser Zeilen einige Gäste aus Betsche und Stalun.
Als gegen Ende des Festes der Lehrer auf dem Festplatz die beiden sehr beliebten Kinderfestspiele das Schlaraffenessen und die Wurstangel vorführte, erreichte bei Kindern und Erwachsenen eine geradezu stürmische Heiterkeit ihren Höhepunkt.
Sonst sind für die Schulverhältnisse in Scharzig Ereignisse von größerem Belang im laufenden Jahr nicht zu melden. – Die Schulprüfung wurde am 11. April vom Lehrer selbst und ohne jede Beteiligung seitens des Schulvorstandes und seitens der Eltern gehalten. Entlassen wurden 13 Kinder.

1900 / 1901
Im Klassenbuch stand unter Bemerkungen folgende Notiz eingetragen:
Am 16. Oktober wurde der unterzeichnete Lehrer auf seinen Antrag und Kosten versetzt. gez. Bierwagen

Es trat hierauf eine dreimonatige Vakanz ein, während welcher die Lehrer Volkmer und Stokki die Vertretung hatten. Denselben wurde als Entschädigung für jeden Gang 3 Mark gezahlt.
Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Posen vom 22. Dezember 1900 wurde der Schreiber dieser, der Lehrer Josef Heymann aus Mylin, Kreis Birnbaum, mit der Verwaltung der Lehrstelle an der hiesigen Schule vom 1. Januar 1901 ab betraut. Geboren wurde derselbe am 13. März 1874 zu Dziembowo, Kreis Kolmar i. P. Seine Ausbildung genoß er in der Präparanden Anstalt zu Rogasen und dem Lehrerseminar zu Exin. Mylin war seine erste Stelle, die der genannte über acht Jahre innehatte.
An seinem neuen Bestimmungsort konnte der Lehrer Heymann jedoch nicht rechtzeitig eintreffen, da derselbe auf der Umzugsreise in der Nähe von Zirke durch Sturz mit dem Rad, auf welchem er die Reise noch zu machen gedachte, einen Unfall erlitt, infolgedessen er 25 Tage im Krankenhaus Zirke zuzubringen gezwungen war.
Die Vertretung wurde dem Lehrer Volkmer- Stokki abermals übertragen. Lehrer Heymann trat seine neue Stelle am 1. Februar 1901 an. Am 4. Februar fand eine amtliche Einführung durch den Königlichen Kreis-Schulinspektor Herrn Fleischer aus Meseritz statt.
Erwähnt sei an dieser Stelle zugleich die Jubiläumsfeier am 18. Januar 1901 zur Erinnerung an die vor 200 Jahren auf dem Krönungsfest zu Königsberg am 18. Januar 1701 erfolgte Erhebung Preußens zum Königreich.

1901 / 1902
Das Schuljahr begann mit einer Schülerzahl von 91 Kindern.
Im Juni dieses Jahres brach unter den Kindern, zunächst in Zielomischel und darauf auch hierorts - höchstwahrscheinlich durch die Schulkinder nach hier verschleppt – eine Scharlachepidemie aus, die alsbald große Unregelmäßigkeiten im Schulbesuch zur Folge hatte. Auf Anordnung des Königlichen Landratsamtes wurde die hiesige Schule auf die Dauer von drei Wochen geschlossen.
Der Krankheit fielen außer mehreren kleinen Kindern auch die Schüler Franz und Anna Mrowka – der Vater Kutscher auf dem Gut in Zielomischel – sowie die bereits 13jährige Tochter des hiesigen Wirtes Philip Furmanek Helene, zum Opfer. Für die Landwirtschaft war das Jahr 1901 ein förmliches Notstandsjahr. Eine Hauptursache stellte ein längerer sehr strenger Barfrost um die Jahreswende 1900/01 dar. Der Roggen, für das Lande eine Hauptfrucht auf dem zumeist leichten
Boden, war hierbei zum größte Teil ausgefroren. Dazu ging über hiesige Gegend am 2. Juni ein schweres Gewitter nieder, von starkem Hagel begleitet. Da machte sich dann so recht die Wohltat der Versicherung geltend. Es wurden Kosten bis zu 800 Mark und darüber an Versicherungssummen für Hagelschlag an hiesige Eigentümer gezahlt. Einer derselben erhielt sogar über 1500 (fünfzehnhundert) Mark ausgezahlt.
Interessant ist es, daß der Wirt, der den zum weitaus größten Schaden erlitten, überhaupt nicht versichert war. Derselbe scheint es für nützlicher zu halten, mit seiner leiblichen Mutter um ein paar Beete, die dieselbe sich bei Übergabe der Wirtschaft – diese ist gegen 200 Morgen groß – vorbehalten hatte, zu prozessieren.
Durch den Hagelschlag hat besonders der Wein im Schulgarten gelitten. Das Blattwerk war zerfetzt und die Spitzen der jungen Reben abgeschlagen oder gebrochen. Ein großer Teil des Weines hatte nicht erst getrieben. Ein Schneesturm hatte zudem das Laub (Weinlaub) und das Spalier, teils morsch und verfault, umgeworfen. Alles Spalier im Garten und am Haus hatten von Grund auf neu errichtet werden müssen. Im Spätherbst noch wurde am Schulgrundstück eine kleine Veränderung bewirkt: Die Vorderfront am Haus und der Teil, der den Hof vom Garten trennt, wurden neu eingezäunt, das Tor erneuert. Das tat dort auch wirklich schon not, denn was sich dort vorher an der Stelle befand. Kostenpunkt: 156,00 Mark, davon 86,00 Mark für Materialien, das übrige für Arbeitslöhne.

1902 / 1903
Da nur 3 Schüler neu aufgenommen wurden, wies die Schüler–Frequenz zu Beginn des neuen Schuljahres 79 Kinder auf.
Im Frühjahr dieses Jahres bepflanzte der Lehrer die Grabenborte des Schulgartenlandes mit einer Reihe Birken und stellte an dieser entlang durch Ausheben des Erdreichs einen Gang her. Aus Anlaß des diesjährigen Kaisermanövers, das in der Umgegend von Meseritz gehalten ward, wurde den Schülern ein schulfreier Tag gewährt, den der Lehrer erteilen durfte, um diesem und den Schülern Gelegenheit zu einem Ausflug ins Manövergelände zu geben.
Für die Landwirtschaft war auch dieses Jahr ein sehr wenig günstiges. Durch späte Maifröste, andauernd feuchte und überhaupt eine außergewöhnlich kühle Witterung während des Sommers hatte die Ernte stark beeinträchtigt, die Erntearbeiten verzögert. – Nach den Herbstferien wurden durch Verfügung der Königlichen Kreisschulinspektion die über 10 Jahre alten Kinder auf 10 Tage, bis zum 6. November einschließlich, für Hilfsleistungen bei den ländlichen Arbeiten beurlaubt.
Es trat ein abermaliger Wechsel in der Schulaufsicht dieses Kreises ein: Der Herr Kreis-Schulinspektor Witt wurde als Stadtschulinspektor nach Breslau versetzt und die Verwaltung der hiesigen Kreisschulinspektion dem Herrn Kreisschulinspektor Richter aus Schmiegel übertragen. Am 1. Dezember fand eine Volkszählung „enormen Umfangs“ statt.

1903 / 1904
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden neu aufgenommen 4 Knaben und 2 Mädchen. Die Schülerzahl sank auf 69 Kinder herab. Ein furchtbares Schneegestöber, verbunden mit eisiger Kälte, ein Schneesturm wie er seit Menschengedenken um diese Zeit nicht wieder vorgekommen sein dürfte, wütete am 19., 20. und 21. April dieses Jahres. Über Meterhöhe lag stellenweise der Schnee.
Nach Wochen noch konnte man Überreste an geschützten Ste
llen liegen sehen. Der 19. April war ein Sonntag. Am Montag hatten 23, am Dienstag 32 Kinder die Schule besucht. Von überall wurden UnglücksfaÅNlle gemeldet.
Am Donnerstag, dem 23 April fand die Beerdigung des Lehrers Deutschmann aus Swichocin statt. Er war von Betsche aus auf dem Heimweg begriffen, bereits in der Höhe von Swichocin angekommen, dem Sturm zum Opfer gefallen.
Die zum April dieses Jahres erfolgte Neuaufstellung der Schule brachte einige notwendige Änderungen:
Der Betrag für Heizmaterialien wurde von 90 auf 100 Mark erhöht, vor allem aber das Schulland dem Lehrer statt wie bis dahin mit 90 Mark, nun mit 45 Mark angerechnet.(Der Grundsteuereintrag beträgt nur etwa 24 Mark). Zu den Pfingstferien kommt nun für die Zukunft auch der Sonnabend vor dem Pfingstfest als schulfreier Tag hinzu.

1904 / 1905
Zu Beginn des neuen Schuljahres betrug die Schülerzahl 74. Es ist somit wieder ein geringes Steigen der Schüler Frequenz zu verzeichnen, bewirkt zum Teil durch Zuzug. Neu aufgenommen wurden 7 Kinder.
Nach vielen vergeblichen Terminen hat sich der Schulvorstand endlich bereit gefunden, notwendige bauliche Instandsetzungen größeren Umfanges auf dem hiesigen Schulgrundstück zur Ausführung bringen zu lassen. So wurde im Laufe dieses Sommers ein Stall- und ein Abortgebäude neu errichtet, Schulhaus und Scheune umgedeckt, der Boden des Schulhauses zum Teil neu gedielt bzw. ausgebessert, Hof und Garten mit einem neuen Zaun (Lattenzaun) umgeben.
Letzterer erhielt an der Hinterfront, woselbst bis dahin noch keine Umwehrung bestanden, eine solche durch einen Drahtzaun. Der neue Stall ist ein massives Gebäude aus Brandziegeln mit einem Pappdach, das Abortgebäude ganz aus Holz. Die Scheune bekam ein Rohrdach und zum kleinen Teil eine Ziegelwand an der Vorderfront, ebenso an der Hofseite ein neues Tor.
Die Lage der neuen Gebäude gegen die früheren dürfte an nachstehenden (alten) Belegenheitsplan am besten zu vergleichen sein. Die Ausführung der oben aufgeführten Arbeiten lag in den Händen des Bauunternehmers Hieronymus Nortdorf aus Stalun für den Preis von 2450 Mark.
Zu den Kosten hat die Königliche Regierung den Betrag von 1100 Mark beigesteuert, während die Schulgemeinde die Restsumme von 1350 Mark als Anleihe auf Amortisation bei der Königl. Sparkasse in Meseritz aufnahm.
Kleinere Instandsetzungen betreffend: In den Herbstferien wurde in der Wohnung des Lehrers sämtliche Fußböden gestrichen und das Wohnzimmer tapeziert.
Der Eigentümer August Woytke hat das Nutzholz – es wurde im zeitigen Frühjahr 1904 umgemacht – auf seiner Waldparzelle im Hinterwalde auf dem der gräflichen Grenze zunächstliegenden Teile an den Dampfmühlenbesitzer Lehrer Stürmer aus Schilln verkauft. Es wird allgemein angenommen, daß Lehrer Stürmer das Holz „viel zu teuer“ – man spricht von 1300 Talern – bezahlt hätte.

Die Schule zählte zum Schluß des Schuljahres 77 Schüler. Eine Revision durch den Königlichen Schulinspektor Herrn Richter – Meseritz fand am 23. Februar 1905 statt.
Außerdem besuchte genannter Herr die hiesige Schule noch 3. Juni, 8. Juli, 15. Dezember 1904 und 20. März 1905.



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1905/1906
Zu Beginn des Schuljahres betrug die Schüler Frequenz 75. Die Volkszählung am 1. Dezember des Jahres ergab eine ortsansässige Bevölkerung von 262 Personen und davon 120 männlichen und 142 weiblichen Geschlechts. Dem Bekenntnis nach waren 259 katholisch, 3 Personen (männlich) waren evangelisch.

1907 / 1908
Da zu Ostern dieses Jahres nur 4 Kinder, 1 Knabe und 3 Mädchen aufgenommen werden konnten, betrug die Schülerfrequenz zu Beginn des neuen Schuljahres nur 69.
Am Sonnabend, dem 15. Juni ertrank beim Baden der 13jährige Schüler Roman Mniszewski aus Zielomischel in der hiesigen dem Freigutbesitzer Jesiorko gehörigen sogenannten Viehtränke. Da die Schule sich am Begräbnis beteiligte, fiel am 19. des Monats der Unterricht aus.

1908 / 1909
Das Straßenbild hiesiger Ortschaft erhielt im Laufe dieses Sommers ein wesentlich anderes Aussehen – ob ein schöneres, mag dahingestellt bleiben – durch Errichtung eines Spritzenhauses, das mitten auf dem Dorfplatz neben der Kapelle seine Aufstellung fand.
In diesem Jahr setzte nach einem geradezu sommerlich-schönen Herbstwetter während der Kartoffelernte unversehens frühzeitig ein ziemlich heftiger Bodenfrost ein, der überdies geraume Zeit anhielt und so säumigen Wirten eine empfindliche Lektion verabfolgte, indem ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kartoffeln einfror, die Runkelrübenernte aber für die meisten davor war. Am schwersten betroffen war jedenfalls das Freigut selbst, das wegen Leutemangel mit der Arbeit weit zurück geblieben war.
Die Schüler Frequenz hiesiger Schule sank gegen Ende des Schuljahres auf 63 Kinder herab. Entlassen wurden davon 10 Schüler: 5 Knaben und 5 Mädchen, nachdem schon im Laufe des Jahres ein Knabe im Mai auf wiederholte Bittgesuche seiner Eltern und die Schülerin Melanie Zerbe wegen schlechter Augen, sehr geringer Sehkraft im November aus der Schule entlassen worden waren.

1909/1910
Am Sonntag, dem 11.Juli fand in Birnbaum ein großes Sängerfest statt, an dem auch der Schreiber dieser Zeilen als Dirigent im Männer-Gesang-Verein Betsche teilnahm. Ihm war aus diesem Grunde vom Königlichen Schulinspektor Herrn Schulrat Richter, Meseritz für den folgenden Tag Urlaub gewährt worden.

1910/1911
Bei Beginn des neuen Schuljahres zählte die hiesige Schule 72 Kinder. Am Montag, dem 20. Mai stattete Herr Regierungsschulrat Hammerschmidt aus Posen der hiesigen Schule einen Besuch statt und zwar allein, da der Kreis Schulinspektor Herr Schulrat Richter-Meseritz wegen Kränklichkeit beurlaubt war. Letztgenannter Herr hatte noch am 7. April die hiesige Schule mit seinem Besuch beehrt, der zugleich sein letzter werden sollte. Am 19.Juni 1910 starb der Königliche Kreisschulinspektor Schulrat Richter-Meseritz. Die Vertretung der Schulaufsichtsbezirke wurde dem Königlichen Kreisschulinspektor Lobolewski in Bentschen übertragen. Dienstag, dem 5. Juli (der 19. fiel in die Ernteferien) Gedächtnisfeier: der 100. Todestag der unvergeßlichen Königin Luise. Am letzten Sonnabend vor den Kartoffelferien machte die I. Klasse: I. und II. Abteilung einen Ausflug nach Liebuch. Daselbst traf sie mit der Staluner Schule zusammen, mit deren Kindern sie sich durch gemeinsame Spiele erfreute. Am 15. September, in den Abendstunden, brannte bei dem Eigentümer Gregor Karg hierselbst ein Stall ab. Entzündungsursache war nicht festzustellen. Wahrscheinlich ist der Brand durch Unvorsichtigkeit entstanden. Bei demselbigen sind auch einige Tiere: Jungvieh und Schweine zu Schaden gekommen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.


Schüler der Schrziger Schule 1912

1911/1912
Neu aufgenommen wurden am 1. April 1911 sechs Kinder: drei Knaben und drei Mädchen, so daß das neue Schuljahr mit einer Schülerfrequenz von 62 Kindern begann.
Der Sommer 1911 war für die Landwirtschaft seiner großen anhaltenden Dürre halber ein sehr wenig günstiger. Flüsse wiesen einen äußerst niedrigen Wasserstand auf, Brunnen und Gräben trockneten aus. Die Getreideernte fiel schlecht aus, Futterpflanzen wie Klee und Serradella wurden fast gar nicht geerntet.
Besonders bitter empfanden die sogenannten „kleinen“ Leute die schlechte Kartoffelernte, da viele nicht einmal die Aussaat ernteten. Kein Wunder wenn sich alsbald eine Teuerung einstellte. Der Zentner Roggen kostete 9 Mark, der Zentner Kartoffeln kam auf über 4 Mark zu stehen. Da die Trockenheit auch im September noch anhielt, verzögerte sich die Bestellung der Wintersaat ganz bedeutend.
Erst nach Neujahr setzte der Winter ein, aber mit umso größerer Strenge; man zählte bis 24° unter null nach C. Die Felder waren allerdings durch eine, wenn auch dünne, Schneedecke geschützt.
Am 13. Und 15. September fanden Schülerausflüge ins Manövergelände (Kurzmanöver des 3. Brandenburgischen Korps) nach Dormowo und Prittisch statt.
Am 1. Dezember fiel der Unterricht der Volkszählung halber aus, da der Lehrer das Amt des Zählers übernommen hatte.
Am 12. Januar 1912 war Reichstagswahl. Da der Lehrer bei derselben als Beisitzer fungierte, fiel an diesem Tag der Unterricht aus.

1912/1913
Bei Beginn des neuen Schuljahrs zählte hiesige Schule 63 Kinder. Davon waren neu eingetreten 8 Kinder: 4 Knaben und 4 Mädchen. Ende März 1912 war das schönste Frühlingswetter, dem bereits am 27. desselben Monats ein heftiges Gewitter folgte. Im Gegensatz hierzu war der April recht unfreundlich.
Der Sommer 1912 war reich an Gewittern. Im Nachbardorf Stalun schlug der Blitz zweimal ein, einmal ohne zu zünden, das andere Mal brannten ein paar Scheunen ab. Anfang Oktober setzte heftiger Frost ein, so daß Kartoffeln und Rüben, die noch nicht geerntet waren, sehr darunter litten.
Nicht unerwähnt bleiben möge die in diesem Jahr gestattete Neuverpachtung der hiesigen Gemeindejagd. Während in früheren Zeiten diese stets einen einheitlichen Jagdbezirk gebildet hatte, war sie - nach dem neuen Gesetz über die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke zulässig – vor sechs Jahren in drei Bezirken verpachtet worden:
der „Scharziger Wald“ ein Bezirk, und die Feldmark in 2 Bezirken. Grenze zwischen den beiden letzteren war die Dorfstraße und der Weg nach Zielomischel.
Damaliger Pachtpreise: der Jagdbezirk an der Eisenbahn brachte 66, der an der Straße nach Liebuch 110 Mark und den Wald hatte der Schreiber dieser Zeilen, der Lehrer Heymann, für 50 Mark erstanden, Summe: 226 Mark. Vorher war für die ganze Jagd 117 Mark gezahlt worden.
Zu der diesjährigen Neuverpachtung nun wurde die angegebene Dreiteilung nicht wieder genehmigt, da der Bezirk an der Eisenbahn, rund 950 Morgen groß, also nicht die für die Regel nötigen 250 ha aufweist. Dagegen gestattete der Kreis- Ausschuß die Einzelverpachtung des Scharziger Waldes, trotzdem er nicht viel über 600 Morgen umfaßt, aber vollständig isoliert liegt, d.h. in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Gemeindefeldmark steht.
Wie vor sechs Jahren hatte der Jagdvorsteher (Gemeindevorsteher) beabsichtigt, die Jagd wieder nur an Jagdgenossen zu verpachten. Dagegen aber war Einspruch erhoben worden mit der Bitte um Zulassung auch der auswärtigen Bieter und unter anderem auch mit der nicht gerade von großer Freundlichkeit oder Zuneigung zeugenden Begründung, wie sie zum Schluß wörtlich lautete: „weil der Lehrer Heymann eine billige Jagd haben will und dadurch die ganze Gemeinde geschädigt wird.“ Unterzeichnet war diese Eingabe von acht Besitzern.
Dem Einspruch wurde vom Kreisausschuß stattgegeben und die Jagd neu ausgeschrieben. Meistbietender und infolge dessen auch Pächter wurden:
für die Feldmark der Besitzer Roman Kolan (auch vorher schon Mitpächter) mit 250 Mark; für den Wald: Graf zu Dohna-Hiller-Gärtringen mit 360 Mark.
Hierzu muß bemerkt werden, daß der Scharziger Wald mit dem Gräflichen Wald zusammengrenzt. Die ganze Jagd brachte somit einen Pachtzins von 610 Mark.

1913/1914
Neu aufgenommen wurden am 1. April 1913 nur 5 Kinder: 1 Knabe und 4 Mädchen. Durch Zuzug stieg die Zahl um 2, so daß das neue Schuljahr mit einer Schülerzahl von 64 Kindern begann.
Das Schulzimmer hat einen neuen Ofen erhalten. Es ist ein (grüner) Kachelofen mit Luftumlauf. Gesetzt wurde er von Töpfermeister Gustav Zimmermann aus Meseritz – 2.Januar 1913 vollendet – für den Preis von 140 Mark.
Zur Bestreitung der Kosten gewährte die Königliche Regierung zu Posen eine Beihilfe in Höhe von 100 Mark. Dieselbe hatte auch den oben angegebenen Ort des Ofens festgelegt und die Beihilfe ausdrücklich nur für den Fall in Aussicht gestellt, wenn ihrem Vorschlag entsprochen würde, was dann natürlich auch geschah.

Auf Veranlassung der Königlichen Regierung zu Posen soll das Schulhaus weiter ausgebaut werden. Zweck der Veränderung ist die Umwandlung der gegenwärtigen zweiklassigen Schule (Halbtagsschule) in eine einklassige. Weil in dem Schulzimmer – es hat knapp 40 Quadratmeter Grundfläche – unmöglich alle Kinder gleichzeitig Platz finden, muß dasselbe vergrößert werden. Um dem Gebäude ein mehr einheitliches Aussehen zu geben, beschloß der Schulvorstand, das Gelände nach dem Dorf hin gleichmäßig auszubauen. Hierzu aber war notwendig, vom Nachbargrundstück eine kleine Parzelle anzukaufen.

War z.Zt. bei Vergrößerung der Lehrerwohnung (Anbau an der Straßenfront) schon einmal versucht, aber nicht gelungen: diesmal kam eine Einigung zustande.
Der Gastwirt Julius Zerbe, als Nachbar, tritt von seinem Grundstück die erforderliche Fläche in Größe von 29 Quadratmetern ab für den Preis von 150 (einhundertfünfzig) Mark. Die Schulgemeinde gibt zudem von ihrem Grundstück die an der Straße in Größe von 21 Quadratmetern mit in den Kauf, so daß die Grenze hart an der Giebelseite des Schulhauses entlangführt. Die Veränderung der Grenze dürfte am besten auf nachfolgendem Lageplan zu ersehen sein:


Skizze Schule Scharzig 1914 mit Parzellenzukauf



1914/1915
Im April wurden aufgenommen 14 Schüler: 5 Knaben und 9 Mädchen. Die Schülerzahl stieg auf 72.

Nun ist aus Scharzig die elektrische Hochspannungsleitung angeschlossen worden. Nach vielen vergeblichen und langwierigen Verhandlungen kam am 9. März 1914 hierselbst eine Elektrizitäts-Verwaltungsgenossenschaft G.m.b.H. zustande.
Der Schreiber selbst, der Lehrer Heymann, wollte sich gleichfalls diesen Kulturfortschritt nicht entgehen lassen. Mit ihm selbst erlangte die Genossenschaft die gesetzliche Mindestzahl von 7 Mitgliedern. Es traten ihr bei:
• Roman Paech
• Ludwig Paech Vater und Sohn, Eigentümer
• Albert Zerbe
• Leo Zerbe, Vater und Sohn, Eigentümer
• Anton Wierschula, Eigentümer
• Stanislaus Bendziewski, Freigutbesitzer
• Joseph Heymann, Lehrer

Die neugegründete Genossenschaft ist Untergenossenschaft der Überlandzentrale Birnbaum- Meseritz-Schwerin a./W. G.m.b.H. als Mitglied mit 18 Anteilen. Es gibt drei Verbrauchsstellen mit je 5 Anteilen für Licht und Kraft (Paech, Zerbe, Wierschula) und zwei Stellen nur für Licht und 3 Anteilen (Bendziewski 2, Heymann 1 Anteil). Der Ausbau des Ortsnetzes ist Sache der Genossenschaft. Das Ortsnetz kostet 1500 Mark, dazu 170 Mark für Hausanschlüsse (für Licht je 25, für Licht und Kraft je 40 Mark) zusammen 1670 Mark. Die Anlagen für Licht in der Lehrerwohnung haben 87 Mark gekostet. Pfingsten 1914 brannte das erste elektrische Licht in Scharzig.

In der Streitschrift zwischen der Schulgemeinde und dem Grafen zu Dohna-Hiller-Gärtringen, daß letzterer das Rohbauholz für die Schulbauten zu liefern hätte, ist jetzt endgültig zugunsten der Schulgemeinde entschieden. Letzte entscheidende Instanz war der Bezirksausschuß zu Posen. In dem Schreiben heißt es in der Hauptsache: „ In der Verwaltungsstreitsache des Rittergutsbesitzers Grafen zu Dohna auf Schloss Hiller- Gärtringen, Kläger und Berufungskläger 1.Die Königliche Regierung, Abteilung für Kirche und Schulen zu Posen und 2. Die katholische Schulgemeinde zu Scharzig, Beklagte und Berufungsbeklagte hat der Bezirksausschuß zu Posen in seiner Sitzung am 19. Juni 1914, an welcher teilgenommen haben…. auf Grund öffentlicher mündlicher Verhandlung für Recht erkannt: Die Berufung wird zurückgewiesen. Die Kosten der Berufung werden dem Berufungskläger zur Last gelegt. Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 300 Mark festgelegt. Unter Gründen wird dazu u.a. aufgeführt: Durch Resolut der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen und Schulwesen zu Posen vom 28. Juni 1913 ist der Kläger, als Eigentümer der Grafschaft Hiller-Gärtringen – ehemals Betsche genannt – für verpflichtend erklärt worden, als Gutsherr der katholischen Schule zu Scharzig das zur Erweiterung der Schule erforderliche Rohbauholz unentgeltlich abzugeben. Gegen diese Resolut hat der Kläger fristgerecht Klage im Verwaltungsstreitverfahren bei dem Kreisausschuß zu Meseritz erhoben, die von diesem durch Urteil vom 20 Januar 1914, auf dessen Inhalt Bezug genommen wird, zurückgewiesen worden ist.

Darauf hat der Kläger fristgerecht Berufung eingelegt. Auf seine Ausführungen in der Berufungsinstanz wurde verwiesen. Auf das Rechtsmittel der Prüfung hat der Graf zu Dohna – die Mobilmachung , der Weltkrieg stand vor der Tür, (und auch der Herr Graf wurde davon betroffen) – verzichtet und der Beschluß des Bezirksausschusses zu Posen somit Gesetzeskraft erlangt.

Es folgen einige leere Seiten in der Schulchronik, die dann im Jahre 1916 fortgeschrieben wird:

Infolge der Einberufung des Ortslehrers zum Militärdienst wird auf Anordnung der Kreisschulinspektion zu Meseritz der Vertretungsunterricht erteilt. Der Stundenplan ist genehmigt worden.

Am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend unterrichtet Lehrer Rahe aus Zielomischel die Schüler der I. und II. Abteilung von 7 – 10 und der III. Abteilung von 11-1 Uhr. Der Religionsunterricht wird am Montag jeder Woche von Herrn Hauptlehrer Paech zu Betsche von 1/2 2 – 1/2 4 Uhr erteilt. Von der Erlaubnis, zwecks Arbeitshilfen einen längeren Urlaub für ihre Kinder zu beantragen, haben die Eigentümer Meißner, Ceglarz aus Zielomischel und die Eigentümer Wirschula hierorts Gebrauch gemacht. Die Anträge wurden von der Kreisschulinspektion genehmigt.

Aus Anlaß des Sedantages wurde am 2. September 1916 von 9 bis 10 Uhr eine Schulfeier abgehalten. Einige Schüler der Oberstufe trugen Gedichte vor. Vaterland- und Kriegslieder wurden gesungen. Aufgrund.: Sedan Das Schulzimmer war von den Schülern in würdiger Weise geschmückt worden.

Der Sedantag war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) jährlich um den 2. September gefeiert wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan, in der preußische, bayerische, württembergische und sächsische Truppen nahe der französischen Stadt Sedan den entscheidenden Sieg im Deutsch-Französischen Krieg errungen und den französischen Kaiser Napoleon III. gefangen genommen hatten. (Anmerkung der Red.)

Die Schülerinnen Hedwig Heymann und Pelagia Wrusch haben für gelieferte Brennnesseln am 17.8.16 den ihnen zustehenden Betrag ausgezahlt erhalten. Die Nesseln wurden der Bezugs- und Absatzgenossenschaft in Meseritz per Fracht übersandt.
Zur fünften Kriegsanleihe haben am 16. September 1916 vier Schüler 85 Mark gezeichnet. Die Zeichnung wird bis zum 3. Oktober fortgesetzt. Im ganzen sind auf der Schulliste 200 Mark gezeichnet worden. Von Erwachsenen hiesiger Gemeinde wurden 1400 Mark zusammengebracht. Die Zeichnung ist am 5. Oktober mittags 1 Uhr beendet worden.
Der Betrag von 200 Mark wurde am 3. Oktober 1916 an die (Königliche) Kreissparkasse übersandt. Der Posteinlieferungsschein befindet sich bei den Schulakten über Kriegsanleihen. Die Quittungen der Schüler über den Empfang der Wertpapiere werden zu den Schulakten gelegt.



Eine Kriegsanleihe (oder Kriegskredit) ist ein verzinsliches oder unverzinsliches Wertpapier, das der Finanzierung eines Krieges dient. Emittent ist in der Regel eine Regierung. Das Ankaufen der Anleihe kommt der Gewährung eines Kredits an die Regierung gleich.
Die langfristigen Anleihen des Deutschen Reichs waren bis 1. Oktober 1924 unkündbar. Trotz des für Deutschland verlorenen Krieges war die Tilgung der Anleihen dem Staat durch den hyperinflationären Wertverlust der Mark von 1914 bis 1923 ohne Schwierigkeiten möglich. Die Zeichner der Kriegsanleihen erhielten praktisch keinen Wert zurück, ihr dem Staat geliehenes Geld war verloren.
(Anmerkung der Red.)


1916/1917
In der Sitzung des Reichstags teilte der Staatssekretär mit, daß das Ergebnis der 5. Kriegsanleihe 10 Milliarden 590 Millionen Mark beträgt. Auslandszeichnungen sind in dieser Summe noch nicht voll enthalten. Die Gesamtsumme der Zeichnungen auf die 5 deutschen Kriegsanleihen überschreiten den Betrag von 46 1/2 Billionen Mark.

Die deutsche Heimat hat einen neuen vollen Sieg errungen, in dem sie den unerschütterlichen Willen nicht nur zum Durchhalten, sondern zum Siegen kundgibt und auf den wir stolz sein können. Nach Mitteilung des Kollegen Heymann wurde er nach der Ausbildungszeit in Schwerin a.W. zunächst nach Galizien geschickt.

Der katholische Religionsunterricht wird im Winterhalbjahr 1916 vom Kollegen Pape aus Stokki erteilt; Montag von 2 bis 4 Uhr in jeder Woche. Am 7. Dezember 1916 war schulfrei. Die Kinder wurden, nachdem sie über die Bedeutung der Einnahme von Bukarest belehrt worden waren, um 1/2 10 Uhr entlassen. Die Nachricht von dem Siege und dem Falle der Festung wurde durch das Königliche Distriktsamt zu Betsche übermittelt.
Am 1. Dezember 1916 fiel der Unterricht aus, weil der vertretende Lehrer an einer in Meseritz stattgefundenen Versammlung, die Futterversorgung betreffend, teilnahm.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 3.Januar 1917. Sie wurden jedoch in diesem Jahr verlängert bis zum 11. Januar 1917. Die Ursache ist der Kohlen- und Petroleummangel. Der Geburtstag S.M. des Kaisers und Königs wurde am 27. Januar von 11 bis 12 Uhr in hiesiger Schule gefeiert. Knaben und Mädchen trugen Gedichte vor. Das Schulzimmer war ausgeschmückt und das Schulhaus geflaggt worden. Zu dieser Feier waren 73 Schüler (2 Mädchen hatten Urlaub) erschienen. Die Herren Mitglieder des Schulvorstandes waren eingeladen worden.
Zur Entlassung der hiesigen Schule kamen in diesem Jahr 13 Schüler, die sämtlich 8 Schuljahre zurückgelegt haben. Auf Antrag der betreffenden Eltern soll die Entlassung zum 1. März wegen dringender landwirtschaftlicher Arbeiten erfolgen. Auch diese Schüler sind auf die neue Kriegsanleihe hingewiesen worden.

Am 9. März wurde des Todes Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I. gedacht.
Am 10. März 1917 fiel der Unterricht aus, weil der Lehrer mit dem Nachprüfergeschäft der Kartoffelvorräte in Stalun beauftragt war. Der Urlaub ist von der Königlichen Kreisschulbehörde erbeten und genehmigt worden.
Am 17. März fällt auf Anordnung der Schulbehörde der Unterricht aus, damit der Lehrer mit größtem Nachdruck und Eifer für die Schulkriegsanleihe in hiesiger Gemeinde wirken kann.
Die Osterferien dauerten vom 3. April mittags 12 Uhr bis zum 1. Mai.

Auf Antrag des Schulvorstandes genehmigte die Königliche Kreisschulinspektion die Verlängerung der Osterferien um 14 Tage zwecks Aushilfe der Kinder bei den beginnenden landwirtschaftlichen Arbeiten.


1917/1918
Am 3. April wurden 4 Lernanfänger aufgenommen.
Die Schülerzahl beträgt zu Beginn des Schuljahres 63 Kinder.
Das Ergebnis der letzten Kriegsanleihe beträgt nach den bisher vorliegenden Meldungen ohne die zum Umtausch angemeldeten älteren Kriegsanleihen 12.770.000.000 Mark. Kleine Teilzahlungen stehen noch aus.
Überdies sind die Zeichnungen der Gelder, für welche die Zeichnungsfrist noch im Mai abläuft, in der Summe nur zum Teil enthalten. Schon jetzt steht außer Zweifel, daß durch die Gesamtzeichnungen auf alle 6 Kriegsanleihen die Summe von 60 Milliarden Mark überschritten wird.
Auf der Schulkriegsliste zeichnete die hiesige Schule 412 Mark / Abschrift bei den Zeichnungsakten / Gemeinde Scharzig zeichnete 700 Mark/ Der durch die Schüler aufgebrachte Betrag (412 Mark abzüglich 2 Mark Kursgewinn) wurde am 13.4. an die Kreissparkasse zu Meseritz übersandt.

Der Impftermin war am 7. Mai 1917, die Nachschau am 14. Mai.
Der Impfarzt Dr. Binder – Betsche reiste von hier nach Zielomischel. Der vertretende Lehrer stellte die Schreibhilfe.
Die Großstadtkinder werden voraussichtlich in der nächsten Woche (vom 14. – 19.Mai) hierorts wie auch in Zielomischel eintreffen. Sie werden mit Wagen abgeholt und ihren Pflegern zugeführt. 5 Kinder aus Westfalen Kreis Recklinghausen wurden heute, am 24. Mai 1917 vom Gut in Betsche abgeholt. Vom 12. Juni ab werden sie am planmäßigen Schulunterricht für die Zeit ihres hiesigen Aufenthaltes teilnehmen.
Die Pfingstferien dauern vom 25. Mai bis zum 12. Juni 1917.
Am 5. Juni wurden 2 Knaben und 2 Mädchen aus Bottrop in Westfalen (2 Knaben am 9. Juni, wohnhaft beim Eigentümer Dremel) in die hiesige Schule aufgenommen.
Die Nachfrage ergab, daß die Stadtkinder sich bei ihren Pflegeeltern wohlfühlen. Raum und Nahrung sind reichlich vorhanden. – Kollege Heymann hatte im Juni 14 Tage Urlaub. Ende Juni reiste Kollege Heymann wieder zur Front nach Rußland. Der Urlaub dauerte nur 14 Tage. In einer Kriegslesestunde erzählte er den Kindern von dem Kriegsleben.

Die Sommerferien dauern 3 Wochen; vom 14. Juli bis 6.August.
Von Anfang August bis jetzt ist die hiesige Schule geschlossen, weil in der Gemeinde Scharlach herrschte. Drei Kinder sind daran gestorben. Die amtliche Desinfektion ist durch den Amtsboten erfolgt. Der Schulbeginn ist noch nicht ausgeführt worden.
Der vertretende Lehrer Rohr ist vom 1.9.17 versetzt worden.
Vom 15. November 1917 vertrat der Lehrer Schulz nur Zielomischel.
Von 6 Stadtkindern, die Anfang Juni nach hier kommen, ist ein Kind am 8.November nach Hause gefahren, die anderen Kinder bleiben den Winter über hier.
Die Herbstferien dauerten vom 21. September bis11. November. 14 Tage war die Schule wegen der Grippe geschlossen. Der Unterricht wurde erst am 14. November aufgenommen, da der Lehrer die Stadtkinder nach Bottrop begleitete.


Die Kriegserlebnisse des Lehrers Heymann
Am 21. Dezember 1918 kehrte Lehrer Heymann aus dem Feld zurück. Seine Beteiligung am Kriege mögen nachstehende Angaben ersichtlich machen.
Am 1. August 1916 wurde Lehrer Heymann als Landsturmmann eingezogen und, da er nicht aktiv gedient hatte, dem „Rekrutendepot“ zu Schwerin a.W. überwiesen. Am 27. Oktober schon ging er in einem größeren Transport an die Front nach Rußland (Wolhynien) über Warschau, Brest-Litowsk, Kowel, Wladimir-Wolinsk in den Luga-Abschnitt (Abschnittskommandant: Riemann, General der Infanterie, derselbe, der sich einige Zeit nachher an der Westfront rühmlichst hervortat) vor der russischen Festung Luzk. Heymann wurde dort der 8. Komp. des L.F.R.19 zugeteilt, Schützengraben im Dunkelwald bei Swinjuchi.

Um Neujahr 1917 nahm Heymann an einem militärischen Fortbildungskursus, etwa eine Stunde hinter der Front, vom 1. bis 20. März, an einem Infanterie-Minenwerferkursus in Brest-Litowsk, Generalgruppe Linsingen, teil.
Ende Februar 18 nach Zusammenbruch der russischen Front, verließ sein Regiment den Luga- Abschnitt, um über Brest-Litowsk und Pinsk den Vormarsch in die Ukraine anzutreten. Heymann machte die Einnahme von Gomel am 1.März 18 mit. Gomel liegt an einem linken Nebenflusse des Dniepr, dem Sosch.
Seine Mündung liegt etwa 40 km südlich von Gomel; seine Quelle in der Nähe von Smolensk ist dort nur etwa 10 km von seinem Flusse entfernt, dabei ist der Sosch wohl über 400 km lang und übertrifft bei Gomel an Wasserfülle die Warthe bei Schwerin. In Gomel, das große militärische Depots besaß, erbeuteten die deutschen Truppen bedeutende Mengen an Zucker, Mehl, auch Wein, vor allem aber Leder.
Bei weiteren Streifen gegen die „Bolschewiken“ spielte ein anderer Nebenfluß des Dniepr (auf derselben Seite) eine Rolle, die Desna im Gouvernement Tschernigow, die bei Kiew in den Dniepr mündet.
Da die Bolschewiken nicht vergaßen, die Brücken hinter sich abzubrechen, mußten die Flussübergänge über das leicht schon mürbe gewordene Eis gemacht werden. Übergänge solcher Gestalt über die Desna machte Heymann zweimal mit. Bei dem ersten versank plötzlich ein Geschütz, ein Kanonier büsste hierbei sein Leben ein; bei dem anderen brach ein Gerätepackwagen ein. Bei seiner Bergung geriet ein achtzehnjähriger Russe unter das Eis und ertrank.

Der weitere Vormarsch führte bis in das Industriegebiet am Donez, einem rechten Nebenfluß des Don. Dort gab es ganze Dörfer mit rein deutschen Ansiedlern.
Große Ackerflächen waren im Sommer mit Sonnenblumen bestellt: Ukraine, „das Land der Sonnenblumen“. Der Anbau der Kartoffel trat dieser gegenüber zurück.
Heymann machte hier Streifen mit in Gebiete des Gouvernements Charkow, Jekaterinoslaw (Lissytschansk am Donez) und Woronesch. Hauptsammelstelle war Kupjansk am Oskoll (der dem Donez zufließt), im Gouvernement Charkow. Ein Kommando nach Brest-Litowsk Anfang Mai führte Heymann auch durch die Städte Charkow und Kiew. Auf dieser Fahrt umkreiste er die Sümpfe am Pripjat.

Ende Mai 18 wurden die Mannschaften älterer Jahrgänge und kinderreiche Familienväter im A. Batt. zu Kujansk gesammelt, um nach Frankreich in die Etappe befördert zu werden. Der Abtransport erfolgte allerdings erst Mitte September.
Die Fahrt von Kupjansk bis Laon in Frankreich dauerte 10 Tage.
Vom 25. September bis 15. Oktober 18 gehörte Heymann der 4. Komp. des Armierungsbatt. 121 an (Ersatztruppenteil: Ers. Batt. L. Inf. Reg. 31, Altona). Die Kompanie hatte in dieser Zeit zwei Tote, vier Verwundete an Verlusten beim Infanterieangriff am Winterberg.
Am 15. Oktober 18 kam Heymann zur Intendantur der VIII. in Plomion zwischen Montcornet und Hirson. Bei dieser machte er vom 4. November ab den Rückzug mit über Aubenton, Signy le P. ,Convin, Vireux und Givet an der Maas, die Nordspitze von Luxemburg, das Ahrtal, bei Brohl über den Rhein, den Westerwald, Marburg an der Lahn bis Schweinsberg in Hessen. Hier wurde Heymann am 19. Dezember 18 in die Heimat entlassen.


Den Heldentod für Vaterland starben aus Scharzig:

1. Pätzold, Hieronymus - 01.03.15
2. Kaminski, Anton - 20.03.15
3. Slaniec, Franz - 07.05.15
4. Kaminski, Roman - 27.05.15
5. Zerbe, Leo - 30.06.15
6. Paschke, Franz - 09.07.15
7. Wierschula, Anton - 20.07.15
8. Wrusch, Franz - 15.10.16
9. Wysocki, Michael - 21.01.17
10. Wahrendorf, Anton - 05.03.17
11. Schade, Paul - 15.07.18
12. Skala, Johann - 15.07.18
13. Skubala, Franz - 16.08.18
14. Dremel, Viktor - 27.08.18
15. Musial, Ludwig - 31.08.18

Von den Gefallenen waren drei Familienväter:
Kaminski, Paschke und Wierschula.
Viele fielen in den Kämpfen an der Ostfront, die anderen im Westen.
Zwei von ihnen wurden von ihren Angehörigen in die Heimat abgeholt und ruhen auf dem katholischen Friedhof von Betsche: Pätzold und Zerbe.

Pätzold H., der Sohn des Eigentümers Albert Pätzold kämpfte in Ostpreußen, wurde mehrfach verwundet und starb im Lazarett an Typhus.

L. Zerbe war der älteste Sohn des Eigentümers Albert Zerbe; er fiel bei den Kämpfen am Narew (Prasnysz).

Fr. Staniec, jüngster Sohn des verst. Eigentümers Valentin Staniec fiel in den Karpaten.

A. und R. Kaminski sind Brüder, Söhne des früheren langjährigen Nahtwächters Johann K. Ersterer fiel auf der Lorettohöhe, letzterer bei Sochatschew.

Wierschula A. war Eigentümer und hinterläßt Frau und drei Kinder.

Fr. Paschke war sein Hausmann, der Frau und vier Kinder hinterläßt.

W. fiel bei Zwolen vor Iwangorod an der Weichsel (Kämpfe an der Ilsanka), P. bei Nowo- Georgiewsk.

Fr. Wrusch war ein Sohn des Arbeiters Vincent W. Er blieb bei Barawurtschki.

M.Wysocki, ein Sohn des Arbeiters Andreas W. vom Freigut Anton Wahrendorf, als Fürsorgezögling aufgewachsen bei dem Eigentümer Roman Paech.

P. Schade ist ein Sohn des Eigentümers Joseph Schade.

J. Skala, ein Sohn (der älteste) des Arbeiters Anton Skala auf dem Freigut.

Fr. Skubala war der einzige Sohn des Eigentümers Micheal Skubala, W. Dremel der ältere von den beiden Söhnen des Eigentümers Stanislaus Dremel.

Musial war ein Vollwaise aus Bobelwitz, aufgewachsen in Scharzig bei dem Schuhmacher und Maurer Johann Nortdorf.



Am 7. Mai 1919 wurde der Friedenvertrag von Versailles Deutschland zugestellt. Danach galt fast die Hälfte des Kreises Meseritz für Deutschland verloren. Die Grenze, die durch eine Kommission endgültig festzusetzen ist, soll östlich der Stadt Betsche verlaufen. Stadt und Umgebung sind Grenzland geworden.
Kreisschulinspektor Dr. Eymer gab unerwartet den hiesigen Schulaufsichtsbezirk auf. Am 16. Mai übernahm Schulrat Erdmann, der bisher den Aufsichtsbezirk Schwerin geleitet hat, das Amt.
Zu Anfang des Jahres 1919 setzte eine allgemeine Teuerung ein. Lebensmittel und Bekleidung stiegen um das 10-20fache im Preis. Große Unzufriedenheit bemächtigte sich besonders der Arbeiterschaft. Eine lebhafte Agitation machte sich unter ihnen bemerkbar. Die meisten schlossen sich dem „Landarbeiterbund“ an. Aber auch die Bauern schlossen sich zusammen. So wurde auch in Scharzig eine Gruppe des Kreiswirtschaftsverbandes gegründet. Der Schwarzhandel griff immer weiter um sich. Täglich erschienen Leute aus Berlin und anderen Städten, um beschlagnahmte Lebensmittel zu „hamstern“: heimlich oder „hintenrum“ zu kaufen, daher „Schwarzhandel“. Die „Hamsterer“ zahlten wahre Wucherpreise, für 1 Pf. Butter oder Speck 20-25 Mark und darüber. Schweine und Rinder wurden heimlich („schwarz“) geschlachtet und „verschoben“. Es machte sich bald ein größerer Wohlstand bei fast allen Landwirten bemerkbar. „Was ist heute ein Beamter?“

Im Jahre 1919 wurde die Landwirtschaft vom Wetter begünstigt. Der Juni brachte reichlich Regen, sodaß Getreide- und Futterpflanzen vortrefflich gediehen. Da es auch die erste Julihälfte hindurch viel regnete, konnte erst Ende Juli mit der Roggenernte begonnen werden. Sie fiel gut aus und einige Landwirte meinten, noch nie eine gleich gute Ernte gehabt zu haben. Dagegen fiel die Kartoffelernte nur mittelmäßig aus. Zudem setzte der November sofort mit Schnee und Frost ein, sodaß noch ein Teil der Kartoffeln einfror. Aus diesem Grund konnte auch die Herbstbestellung nicht gemacht werden. Felder, die noch mit Roggen besät werden sollten, blieben unbestellt liegen.
Während des Krieges, Ende Oktober 16, wurde der Gastwirt und Mühlenbesitzer Julius Zerbe zu Grabe getragen. Derselbe hat 27 Jahre lang der Gemeinde als Schulze vorgestanden. Seine Familie stammt aus Kainscht: sein Vater kaufte in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Wrozs`sche Wirtschaft und starb hochbetagt im Alter von 91 Jahren. Die Wirtschaft erhielt der jüngste Sohn Albert. Eine Tochter heiratete auf die Kolan´sche Wirtschaft, starb aber schon nach einem halben Jahr. Die zweite heiratete den Eigentümer Roman Paech hierselbst. Julius war der älteste von drei Söhnen und wurde 65 Jahre alt. Nachfolger im Amt ist sein Bruder Albert.

Am 17. Januar 1920 wurde zwischen Deutschland und Polen eine Demarkationslinie festgelegt. Die Truppen des deutschen Grenzschutzes wurden dadurch gezwungen, sich zurückzuziehen und so verschiedene Dörfer des Kreises Meseritz, die sie besetzt gehalten, den Polen zu überlassen. Infolge dessen bekam auch unser Ort in dieser Zeit Einquartierung, etwa 20 Mann mit zwei Geschützen. Sie blieb hier bis in den März.

Am 11. Februar 1920 starb Kreisschulinspektor Schulrat Erdmann. Die Vertretung übernahm Kreisschulinspektor Berg-Schwerin. Zum Kreisschulrat des Schulaufsichtsbezirkes Meseritz wurde der frühere Direktor der Provinzial-Fürsorge- Erziehungsanstalt, Herr Quas, ernannt, der am 1. Juni das neue Amt übernahm.
Gemäß den Bestimmungen des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist für jede Schule einen Elternbeirat zu wählen:
„Er soll der Förderung und Vertiefung der Beziehungen zwischen Schule und Haus dienen und den Eltern wie der Schule die Arbeit miteinander und den Einfluß aufeinander gewährleisten. Der Elternbeirat setzt sich nur aus Vertretern der Elternschaft zusammen.“ „Der Aktion und seinem Wahlrecht steht den Eltern sämtlicher die Schule besuchenden Kinder zu, auch der Gastschul- und fremden Schulkinder, und zwar sowohl den Vätern als auch den Müttern. Die Mitglieder der Lehrkörper haben, wenn ihre Kinder die Schule besuchen, dasselbe Wahlrecht wie alle anderen Eltern. Die Mindestzahl der Mitglieder beträgt 5. Die Wahl erfolgt auf zwei Jahre.“

Für die hiesige Schule war nur ein Wahlvorschlag aufgestellt worden. Auf Grund dessen wurde gewählt:

1. Gutsbesitzer:
Ehefrau Juliane Paech – Scharzig
2. Eigentümer:
Ehefrau Michalina Misiewicz – Scharzig
3. Eigentümer:
Roman Kolau – Scharzig
4. Schmiedemeister:
Julius Weimann – Scharzig
5. Eigentümer:
Hieronymus Meissner – Zielomischel
6. Eigentümer:
Ehefrau Franziska Zerbe – Scharzig
7. Eigentümer:
Julius Paech – Scharzig
8. Arbeiter:
Leo Mizera – Zielomischel

Am 8. Juni 1920 erfolgte die erste Einberufung der Gewählten. Sie waren vollzählig erschienen. Zum Vorsitzenden wurde Eigentümer Roman Kolau, zum Schriftführer der Schmiedemeister Julius Weimann gewählt.
Bei der im Juni 1920 stattgehabten Kreistagswahl übten von 144 eingetragenen Wählern 114 ihr Wahlrecht aus. Davon wurden abgegeben für die Sozialdemokratische Partei 24, für die Polen 51 und für das Zentrum 39 Stimmen. Die Zunahme der Stimmen für erstgenannte Partei löste hierorts allgemeine Überraschung aus. Die Agitation, die im Vorjahr unter der Arbeiterschaft sich bemerkbar gemacht, trug ihre Früchte.

Zum ersten Mal nahm eine Frau an einer Reichstagswahl teil. Es wird jetzt auch im Ort selbst gewählt. Bis dahin gingen die Scharziger Wähler nach Zielomischel wählen, auch bei der Landtagswahl. Bei letzterer gehörten zum Wahlbezirk Zielomischel die Gemeinde Zielomischel mit Heinrichswalde, Scharzig, Stalun und Kulkau mit Marienhof, bei der Reichstagswahl Scharzig und Zielomischel mit H.
Gemeindeangelegenheiten waren bis dahin durch Beschlüsse der Gemeindeversammlung geregelt und festgelegt worden. In dieser hatten Sitz und Stimme nur die Besitzer von Grundstücken, einzelne von diesen sogar mehrere Stimmen. Der Weltkrieg brachte auch seine Änderungen mit sich. Der demokratische Gedanke sollte schon in der einzelnen Gemeinde, die ein Bild der Natur im Kleinen darstellt, zum Ausdruck kommen. Das Wahlrecht wurde allen Gemeindegliedern beiderlei Geschlechts, auch den Arbeitern, gewährt.
Es mag nur nebenbei bemerkt werden, daß es manchem schwer fiel, sich in das Neue zu schicken. Nach der neuen Ordnung sollten nun auch für die kleinste Gemeinde Vertreter (Gemeindeverordnung) gewählt werden. Im allgemeinen wurde im Kreis Meseritz die Zahl der Vertreter für Landgemeinden auf 9, für kleinere Städte, wie Betsche, auf 12 festgelegt.

Die ersten Gemeindevertreter für Scharzig waren:
1. Karg, Gregor, Eigentümer
2. Kolan, Roman Eigentümer
3. Misiewicz, Stefan Eigentümer
4. Paech, Julius Eigentümer
5. Kowalski, Kasimir Eigentümer
6. Zerbe, Ludwig, Eigentümer
7. Paech, Joseph, Freigutbesitzer
8. Heymann, Joseph, Lehrer
9. Kaminski, Johann, Arbeiter

Der älteste Sohn des verstorbenen früheren Gemeindevertreters, Ludwig Zerbe, heiratete die Witwe des im Kriege gefallenen Eigentümers Anton Wierschula. Die Wierschula`sche Bauernwirtschaft ist die drittgrößte in Scharzig.

Im November 1920 veräußerte Roman Zerbe, Sohn und Erbe des früheren langjährigen Gemeindevertreters Julius Z. die zwischen der Liebucher und Staluner Straße auf dem Gemeindeland, dem sogenannten Mühlberg, stehende Windmühle an Müller Wendland, einen alten Junggesellen aus Altmühl bei Schönlanke. Müller W. erhielt Wohnung bei dem Eigentümer Albert Zerbe.
Er brachte die Mühle, die lange Jahre hindurch ungenutzt dagestanden, wieder in Ordnung und begann zu mahlen, gab die Herstellung von Mehl aber bald auf und beschränkte sich auf das Schroten von Getreide. W. verkaufte die Mühle bald wieder an einen Ansiedler in Zielomischel, behielt sie jedoch in Pacht.

Im Herbst 1921 verkaufte der Eigentümer Roman Kolan (Abbau) seine 266 Morgen große Wirtschaft (die zweitgrößte in Scharzig) an den Friedrich Fischer aus Neugörzig, Kreis Schwerin a.W. Kolan zog nach Birnbaum, jetzt Polen, und erwarb dort ein Gut von über 800 Morgen.

Mit Beginn des Schuljahres 1922 wurde die Grundschule eingeführt. Die Halbtagsschule nahm so auf eine andere Art, als zuerst vorgesehen, ein Ende; denn geplant war schon 1913 durch einen Erweiterungsbau das Klassenzimmer zu vergrößern zu dem Zwecke, die Halbtagsschule in eine einklassige zu verwandeln. Der Krieg kam dazwischen und ließ den Plan nicht zur Ausführung gelangen.

Die Grundschule, II. Klasse bilden die ersten vier Jahrgänge, die anderen sind die I. Klasse der Oberstufe. Letztere setzt sich aus der I. und II. Abteilung zusammen, von denen jede zwei Jahrgänge umfaßt: II. Abteilung 5.und 6., I. Abteilung 7. und 8. Schuljahr.
Der Unterricht in den meisten Fächern, wie Rechnen, Geschichte, Erdkunde, Naturkunde, Singen, Zeichnen, Turnen und Handarbeit ist für beide Abteilungen gemeinsam.
Die Oberstufe hat wöchentlich 24 (Mädchen 26), die Grundschule der 3. und 4. Jahrgang 15 (Mädchen 17), der 1. und 2. Jahrgang 13 Stunden Unterricht.

1922 verzog auch der Eigentümer Julius Paech, ein Vetter des Roman Kolan (die Mütter waren Schwestern) nach Polen. Sein Nachfolger in der Wirtschaft wurde der Eigentümer Gustav Forbrich aus Tucholle, Kreis Birnbaum. Beide hatten getauscht, Forbrich kam am 9.Juli hergezogen.

1920 -1923 waren die Jahre der Inflation.
Lange Ausführungen hierüber erübrigen sich. Nur ein Beispiel: Fischer – Neugörzig – er verwaltet auch nach Erwerb der Kolan`schen Wirtschaft das Gut Neugörzig weiter – ließ alsbald einen älteren Kiefernbestand (auf dem Höhenrücken zwischen Gehöft und dem Kliemann`schen Grundstück) zu Brennholz schlagen. Nun wird gesagt: mit dem Erlös nur der Stubben hätte er die ganze Wirtschaft bezahlt.

Im Jahr 1923 übergab der Eigentümer Roman Paech die Wirtschaft seinem ältesten Sohn Ludwig, der inzwischen 34 Jahre alt geworden war.


Schulandenken von der II. Klasse der Katholischen Volksschule, Jahrgang 1919, Betsche