Ortsbuch Kreis Meseritz
Kalau (poln. Kalawa)
Dr. Wolfgang Kessler

Kalau = Kalawa, 1793-1807: Kreis Meseritz (Provinz Südpreu.en); 1807-1815: Herzogtum Warschau; 1816-1945: Landkreis Meseritz (1816- 1922: Provinz Posen, 1922-1938: Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, 1938-1945: Provinz Brandenburg); 1945-1975: Powiat miedzyrzecki (1945-1954: Sitz der Gemeinde [gmina] Kalawa, 1954-1975 der gromada Kalawa); 1975-1998: gmina Miedzyrzecz, wojewodztwo gorzowskie; 1999: gmina Miedzyrzecz, powiat miedzyrzecki, wojewodztwo lubuskie.
Kalau/Kalawa
Ausschnitt aus: Bundesarchiv, KART 210-5-298 / Fotograf: o. Ang.


Einwohnerzahl:
1885: 613; 1905: 627; 1910: 717; 1925: 723; 1933: 732; 1939: 713; 2022: 369.
– Haushalte: 1885: 109; 1905: 130; 1925: 147.

Fläche/Lage
1885: 16,01 qkm; 1925: 15,987 qkm. –
Meßtischblatt 3659. - An der früheren polnischen Nationalstraße Nr. 3, heute E 65. - Postleitzahl: PL-66-305 gelegen.
Geographische Position: 52°222073N –15°322003O. Etwa 800-900 m langes Straßendorf, ca. 9 km südlich von Meseritz.

Geschichte
1236 wurde das Dorf erstmals als „Colva“ erwähnt, 1257 als „Calava“, 1307 als „Kalow“. Durch Schenkung wurde es Eigentum des Zisterzienserklosters Paradies. 1257 unterstellte Przemysl I. (Primislaus I.), Herzog von Großpolen, die Ländereien des Klosters Paradies, darunter das Dorf Kalau, seinem Schutz, gewährte ihnen Immunität und erlaubte die Ansiedlung nach deutschem Recht.
Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts existierte hier eine Kirche. Im 15. Jahrhundert war das Dorf im Kreis Posen des Königreichs Polen Sitz einer Pfarrei im Dekanat Meseritz. 1460 legte König Kasimir IV. Jagiello die Lasten und Frondienste der Dörfer des Klosters Paradies einschließlich Kalau für Schloss Meseritz fest.
1655 plünderten während des Schwedenkriegs („Schwedische Sintflut“) schwedische Truppen die Kirche und brannten sie nieder. 1668/69 wieder aufgebaut brannte sie 1733 noch einmal nieder. Danach initiierte der Abt des Klosters Paradies den Wiederaufbau im Barockstil.

In der Zweiten Teilung Polens kam Kalau 1793- 1807 zum Kreis Meseritz in der Provinz Südpreu.en, durch den Frieden von Tilsit 1807-1815 mit dem Kreis zum napoleonischen Herzogtum Warschau.
Nach dem Wiener Kongress fiel das Dorf am 15. Mai 1815 erneut an Preußen und wurde Teil des Regierungsbezirks Posen des gleichnamigen Großherzogtums (ab 1848 Provinz Posen). Nach der Neuordnung der Kreise zum 1. Januar 1818 blieb Kalau bis 1945 im Kreis Meseritz, ab 1921 in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, 1938-1945 in der Provinz Brandenburg.

Kalau/Kalawa
Kalau, 1925 (Archiv HGr)


1909 erhielt Kalau einen Bahnhof an der neu eröffneten Eisenbahnlinie von Topper (Toporów) nach Meseritz. Kalau galt mit seinen großen Höfen, den attraktiven Bauernhäusern und seinen gepflegten Dorfstraßen als reich und sehenswert. Die wirtschaftliche Entwicklung Kalaus war über die Jahrhunderte eng mit der Landwirtschaft und dem Kloster Paradies verbunden.
Insbesondere im 19. Jahrhundert förderte die Nähe zur Nationalstraße Nr. 3 den Handel und die Mobilität der Bewohner. Handwerkliche Betriebe und kleinere Geschäfte prägten das Dorfleben, wobei viele Familien über Generationen in der Region ansässig blieben.

Kalau/Kalawa
Kalau, 1938 (Archiv HGr)


Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Kalau wie viele Dörfer der Umgebung einen deutlichen Bevölkerungsrückgang und strukturelle Veränderungen. Die Traditionen und das kulturelle Erbe werden jedoch bis heute gepflegt, und das Dorf engagiert sich aktiv für den Erhalt seiner historischen Stätten.
In den 1930-er Jahren wurden im Zuge der Erbauung des Ostwalls in der Nähe von Kalau Befestigungsanlagen errichtet, die in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1945 im benachbarten Osterwalde (Kreis Schwerin/Warthe; poln. Pniewo) von der Roten Armee durchbrochen wurden.
1931 hatte Kalau 723 Einwohner, zwei Schulen und eine fast ausschließlich katholische Bevölkerung. Im Dorf befand sich neben dem 1888 errichteten und nach dem Ersten Weltkrieg erweiterten Kriegerdenkmal, das 1945 zerstört wurde, die erhaltene katholische Kirche und das Pfarrhaus.

Kirchen
1796 wurde das Kircheneigentum der katholischen Kirchengemeinde vom preußischen Staat verstaatlicht. Bis 1945 hatte die Kirchengemeinde Filialkirchen in Hochwalde und in Schindelmühl. Abschriften der Kirchenbücher 1825-1874 befinden sich im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam.
Evangelische Kirche: 1888 Bauchwitz; 1905 Jordan [poln. Jordanowo], Kreis Schwiebus.


Zivilstandsregister
Standesamt Paradies (Standesamtsregister 1874- 1899: Archiwum Panstwowe Gorzów Wkp.; 1874- 1938: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin); 1900-1945: Urzad Stanu Cywilnego [Standesamt] Miedzyrzecz.

Archivalien

· Grundakten 1804-1944 (62 Akten), Grundbuch (3 Akten), Archiwum Panstwowe Gorzów Wkp.


Baudenkmäler

· Pfarrkirche St. Nikolaus (sw. Mikolaja), erbaut 1510, 1668–1699 auf Initiative des Abts des Klosters Paradies grundlegend in barocker Form umgebaut. 1860 brannte die Kirche nieder, wurde aber bald wieder aufgebaut und die Ausstattung ersetzt. Die einschiffige Backsteinkirche wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet, mit einem schlichten, geschlossenen Chor im Osten und einem Turm im Westen. Die Kirche liegt, umgeben von Bäumen, auf einem kleinen Hügel. Das Kirchengelände ist von einer Steinmauer umgeben. Vor der Kirche steht auf einem Sockel eine Marienstatue. In der Nähe befindet sich das Pfarrhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert. Mariensäule und ein Heiligenhäuschen (Herz Jesu) sind bis heute erhalten.

· Ca. 2 km westlich von Kalau, in Pniewo, befindet sich das Museum der Festungsfront Oder-Warthe-Bogen, heute Befestigungsgebiet Miedzyrzecki.

· Das Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und des Ersten Weltkriegs 1914-1918 wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört, seine Reste 2014 wiederentdeckt.

Kalau/Kalawa
Kalau, Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten des
deutsch-französischen Krieges (Archiv HGr)


Literatur

· Frühjahr 1945. In: HGr 35, 1970, S. 2-3. - Prumbs, Edmund: Kalau und Umgebung (Arbeit und Leben auf dem Dorfe). In: Stadt und Kreis Meseritz. Ein Heimatbuch. [Bd. 1.] Wanne-Eickel 1970, S. 270-288.

· Slownik historyczno-geograficzny województwa poznanskiego w sredniowieczu [Historischgeographisches Wörterbuch der Posener Wojewodschaft im Mittel-alter]. Bd. 2, Lfg. 2. Wroclaw 1991, S. 106.

· Vogelsang, Brigitte: [Massengrab auf dem Friedhof in Kalau] (Echo auf Beiträge vorheriger Ausgaben des HEIMATGRUSS). – HGr 148, 1999, S. 15.

· Kubasik, Artur / Boguslaw Switala / Igor Jakubowicz: Obiekty sakralne powiatu miedzyrzeckiego = Sakralobjekte des Kreises Miedzyrzecz. Bydgoszcz 2001, S. 14.

· Vogelsang, Brigitte: Kalau 29. Januar 1945 und das nächste Morgengrauen. – HGr 168, 2004, S. 19-21.

· Lewczuk, Jaroslaw / Blazej Skazinski, Bozena Grabowska: Zabytki pólnocnej czesci wojewodztwa lubuskiego [Denkmäler des Nordteils der Wojewodschaft Lebus]. Gorzow Wlkp. 2004.

· Vogelsang, Lothar: Eine Reise nach Kalau. – HGr 185, 2008, S. 26-28.

Kalau/Kalawa
Kalau, Einwohnerverteilung 1944 (Archiv HGr)