Andrzej Kirmiel im Ruhestand
Text: Albrecht Fischer von Mollard, Fotos: Archiv HGr


Der bisherige Leiter des Regionalmuseums Alf Kowalski in Miedzyrzecz/Meseritz, Direktor Andrzej Kirmiel, ist mit Wirkung zum 31. Dezember 2025 aus seinem Dienst ausgeschieden und in seine Geburtsstadt Zielona Gora/Grünberg heimgekehrt, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Der HKr Meseritz bedauert den Abschied Kirmiels aus der Museumsleitung außerordentlich, denn damit endet eine langjährige, äußerst fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Regionalmuseum Meseritz, dem Kreismuseum Wewelsburg in Paderborn und dem Heimatkreis, die — stets frei von ideologischen Schranken — immer das Ziel der polnisch-deutschen Aussöhnung und Freundschaft vor Augen hatte.

Leiter des Regionalmuseums Alf Kowalski. Miedzyrzecz/Meseritz, Direktor Andrzej Kirmiel


Nachdem Kirmiel sein Geschichtsstudium an der Jagiellonen-Universität in Krakau 1987 bereits mit dem akademischen Mastergrad abgeschlossen hatte, ergänzte er Jahre später interessengeleitet seine Historikerausbildung noch durch ein Aufbaustudium mit dem Schwerpunkt „Totalitarismus – Nazismus – Holocaust“ an einer Pädagogischen Akademie.

Über viele Jahre war er Geschichtslehrer am Allgemeinbildenden Lyzeum in Skwierzyna/ Schwerin/W und setzte schon hier Meilensteine für die deutsch-polnische Freundschaft: Er gründete nicht nur eine Gesellschaft gleichen Namens und übernahm deren Vorsitz, sondern initiierte darüber hinaus auch einen Schüleraustausch zwischen Skwierzyna und Paderborn.

Als im Jahre 2010 Andrzej Kirmiel die Leitung des Regionalmuseums Alf Kowalski Meseritz übertragen wurde, traf es sich, dass der HKr Meseritz kurz zuvor seine im Wachgebäude der Wewelsburg bei Paderborn untergebrachte sog. „Heimatstube“ mit einer Vielzahl von Exponaten aus seiner „Meseritz-Sammlung“ hatte schließen müssen. Grund dafür war die Neukonzeption der im gleichen Gebäudekomplex residierenden Dauerausstellung „Wewelsburg 1933 – 1945, Erinnerungs- und Gedenkstätte – Ideologie und Terror der SS“, die zur Präsentation der Geschichte der Schutzstaffel (SS) der NSDAP zusätzliche Ausstellungsfläche benötigte. So entstand letztendlich aus der Not fehlender Räumlichkeiten die, für die damalige Zeit revolutionäre Idee, zukünftig die Geschichte und Kultur der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen möglicherweise direkt in den Vertreibungsgebieten darzustellen.
Die zweifelnde Skepsis hinsichtlich der Realisierbarkeit solcher Überlegungen ist in folgendem Zitat überliefert:
„ ... sehr selten aber wird darüber nachgedacht, wie die Museen dort an repräsentative Objekte kommen könnten, um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wenn es denn eine Bereitschaft und die entsprechenden Fähigkeiten dort überhaupt gibt.“

In ersten Kontaktgesprächen mit dem neuen Museumsdirektor in Meseritz trug dieser überraschenderweise dem damaligen Vorsitzenden des Heimatkreises, Leonhard v. Kalckreuth, seine Idee vor, in einer neuen Ausstellungsabteilung die Geschichte der Deutschen in Meseritz in seinem Museum präsentieren zu wollen und bat darum, als „Star-Exponat“ das bekannte Modell der Stadt Meseritz um 1935, das der Künstler Alfons Latzke im Auftrag des Kreises Paderborn in den 1980-er Jahren geschaffen hatte, als Dauerleihgabe ausstellen zu dürfen.

Modell der Stadt
Meseritz (um 1935). Künstler Alfons Latzke
im Auftrag des Kreises Paderborn in den 1980-er
Jahren geschaffen


Die Türen für eine in den kommenden 15 Jahren überaus fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Regionalmuseum Alf Kowalski in Meseritz, dem Kreismuseum Paderborn in Wewelsburg und dem Heimatkreis Meseritz zum Nutzen des gegenseitigen Verständnisses und der Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses standen von da an weit offen.
Erster Höhepunkt dieser internationalen Kooperation, die auch überregional erhebliche Beachtung fand, war die von Andrzej Kirmiel geplante und projektierte Dauerausstellung „Deutsche und andere Bewohner von Meseritz“, die er im Beisein politischer Prominenz aus beiden Ländern im Februar 2012 in seinem Museum eröffnete. Im Rahmen des Festaktes stellte die Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg, Kirsten John- Stucke, fest:
„Der offene und respektvolle Umgang mit der Geschichte in der neuen Ausstellung zeigt mir, dass die Entscheidung, einige der früheren Ausstellungsobjekte aus Wewelsburg nach Miedzyrzecz zu geben, richtig war. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren weitere gemeinsame Kooperationen zwischen dem Kreismuseum, dem Heimatkreis und dem Museum Miedzyrzecz ergeben werden“.

Die Hoffnung von Frau John-Stucke sollte sich in den folgenden Jahren in zahlreichen kleineren und größeren gemeinsamen Projekten erfüllen. Ihnen allen lag und liegt der Wunsch nach gegenseitigem Verständnis für die Geschichte und Kultur des Nachbarn, nach Aussöhnung und nach Freundschaft zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk zugrunde. Beispielhaft zu nennen wären außer der leihweisen Überlassung einer Vielzahl von Exponaten für die Dauerausstellung in Meseritz:

— Finanzierung eines von Andrzej Kirmiel verfassten und mit einer Auflage von 700 Exemplaren herausgegebenen Buches zur Geschichte der Stadt Miedzyrzecz/Meseritz durch den HKr Meseritz

— Ausstellung einer Auswahl von Sargportraits aus der Sammlung des Museums Alf Kowalski im Paderborner Kreismuseum Wewelsburg


Leiter des Regionalmuseums Alf Kowalski. Miedzyrzecz/Meseritz, Direktor Andrzej Kirmiel


— Finanzielle Beteiligung des Kreismuseums Wewelsburg und des HKr Meseritz an der Herausgabe des von Kirmiel geschriebenen Buches „Juden in Meseritz“

— Genehmigung und Unterstützung der Meseritzer Museumsleitung zur Übersetzung und Installierung der polnischen Originalfassung des virtuellen Rundgangs durch Museum und Burg Meseritz auf dem Internetportal des HKr Meseritz

— Errichtung eines Lapidariums in Miedzyrzecz als eindrucksvolles Symbol des Wunsches nach Versöhnung und Freundschaft zwischen Polen und Deutschland. Die Sammlung aus 94 von ehemaligen ev. Friedhöfen des Kreises Meseritz stammenden Grabsteinen wurde in Anwesenheit von Vertretern des Kreises Paderborn, der Meseritzer Museumsleitung, des Meseritzer Stadtrats und des HKr Meseritz in einer Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben.

— Veröffentlichung einer Reihe von A. Kirmiel verfassten Beiträge zu Themen der regionalen deutsch-polnischen Geschichte des Kreises Meseritz/Miedzyrzecz mit Schwerpunkt Obrawalde/Obrzyce im HEIMATGRUSS

— Häufige Teilnahme an den jährlich stattfindenden Heimatkreistreffen in Perleberg/Prinitz und früher in Paderborn, um geschichtsorientiert Gespräche mit ehemaligen Bewohnern der Region zu führen.

— Aufbau neuer, informeller und freundschaftlicher Beziehungen zur ev. Kirchengemeinde Bremen-Horn, aus deren Mitte während des Krieges Gemeindemitglieder nach Obrawalde transportiert und ermordet worden waren.

Alle aufgeführten Projekte konnten nur erfolgreich realisiert werden, weil der Heimatkreis Meseritz und das Museum Wesewelsburg in Andrzej Kirmiel einen Kooperationspartner gefunden hatten, der frei von ideologischen Barrieren stets die historische Wahrheit zum Maßstab seines Tuns und Handelns gewählt hatte. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung weit über die vergangenen 15 Jahre hinaus!
Der Heimatkreis Meseritz e.V. kann mit aller Ernsthaftigkeit feststellen: Andrzej Kirmiel hat sich als Direktor des Museums Alf Kowalski in Miedzyrzecz um die deutsch-polnische Aussöhnung und Freundschaft verdient gemacht!
Zugleich konstatieren Vorstand und Beirat des Heimatkreis Meseritz ihren Wunsch, diesen Weg fortzusetzen und gemeinsam mit der neuen Museumsleitung eine ähnlich erfolgreiche Kooperation anzubahnen bzw. diese fortzusetzen. Unsere Hand ist dazu weit ausgestreckt!