Eingewurzelt ins Leben – zur Hoffnung entsprungen
Foto und Text: Pastor Stephan Klimm, Bremen-Horn


Stephan Klimm, 
Pastor der Ev. Kirchengemeinde Horn in Bremen


Liebe Freunde des Heimatkreises,

Tief eingewurzelt muss sie sein. Fest im Boden gegründet. Sonst hätte sie die Zeit nicht überdauert. Sicher, man sieht ihr das Alter von außen durchaus an. Die Jahrhunderte haben ihr Äußeres geprägt. Manche Stürme hat sie überstanden, doch immer noch steht sie da: die alte Linde vor der Kirche in Bremen- Horn.

Vor über 900 Jahren soll sie dort gepflanzt worden sein. Seitdem steht sie dort. Im Herbst legt sie ihre Blätter ab und ihr Äste und der Stamm werden erst richtig sichtbar. Einmal ist dort von dieser Linde im Sturm ein großer Ast abgefallen. Im folgenden Jahr wurde sie weiter beschnitten, damit der nächste Wind sie nicht umreißen kann.
Ich halte den abgebrochenen Stamm in den Händen und denke: Daraus ist doch etwas zu machen. Lindenholz ist weiches Holz, beliebt bei den Schnitzern.
Und ich baue einen Stall für die Krippe. Ich denke: Was für ein Bild ist das doch: Neues Leben in einem alten Stall.

„Es ist ein Ros’ entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein ‚bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.“


So singen viele Gläubige, auch diejenigen, die aus Tradition gerade „nur“ zu Weihnachten in die Kirchen kommen. Das ist das alte Lied der Hoffnung, dass neues Leben wächst, eben dort, wo man es nicht vermutet hätte.

Der Baum, die alte Linde ist für mich fast wie ein Weihnachtsbaum, der die frohe und hoffnungsvolle Botschaft verbreitet. Die Linde ist eingewurzelt, hält stand und trägt in sich neues Leben. Kennen Sie auch solch einen alten Baum? Wussten Sie schon, wie das die Linde schafft, so alt zu werden? Sie entwickelt Wurzeln aus ihren Ästen. Einzelne Äste wachsen – wie von Zauberhand geführt - von oben nach unten und werden dort zu Wurzeln. Mit diesen sogenannten „Aditivwurzeln“ wird die Standsicherheit gewährleistet und der Baum steht weiter fest gegründet. Was für ein schönes Bild: Der Halt, die Hoffnung wächst von oben nach unten, vom Himmel zur Erde.

Das ist doch, was wir zu Weihnachten feiern: wir erhalten Kraft und Zuversicht vom Himmel mitten auf dieser Erde. So können wir den Stürmen der Zeit trotzen. Und nicht nur dies: So können wir Hoffnung schöpfen für das, was aufblüht vor unseren Augen.

Stephan Klimm, 
Pastor der Ev. Kirchengemeinde Horn in Bremen

Unter der Linde ist ein beliebter Platz zu verweilen. Unter ihr steht eine Bank, auf der man gut sitzen kann. Von dort ist der Blick frei. Man hört den Wind durch die Blätter und Äste streichen. Zugleich wird man sehr still unter der Linde. Was hat sie alles gesehen, wovon könnte sie alles erzählen? Von Aufbruch und Neuanfang, von den Menschen, die kamen und gingen, von Glück und Verzweiflung, von der ganzen Fülle des Lebens. Nicht selten sehe ich dort Menschen, die das tun: einfach Zeit haben, dasitzen und vor sich hinschauen. Oder besser, wahrnehmen, was jetzt ist. Das ist der Zauber dieses Ortes: Im Schatten des alten Baumes werden Menschen gegenwärtig, spüren den Moment im Fluss der Zeit.

Immerhin, die Weihnachtsgeschichte beginnt mit diesem Worte: „Es begab sich aber zu der Zeit…“ Nicht irgendwann, sondern zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort ist das Wunder des neuen Lebens geschehen. Das wahrzunehmen ist immer wieder möglich.

Solche Momente zu verweilen und die Kraft der Hoffnung zu spüren, das wünscht Ihnen von Herzen ...

Stephan Klimm,
Pastor der Ev. Kirchengemeinde Horn in Bremen