Ortsbuch Kreis Meseritz
Kainscht (poln. Keszyca)
Dr. Wolfgang Kessler

Nach einer Abschrift aus dem 19. Jahrhundert erstmals erwähnt 1328 als „Gantzitz“, 1390 „Kanszyc“, 1405 „Kantzicz, Canszicze“, 1423 „Canszyca“, 1443 „Kaschycza“, 1480 „Kanszycze“, 1499 „Canszycze, Caszycza“, 1508 „Kanszycza“, 1510 „Canschicze“, 1512 „Cassicza“, 1517 „Kanzicze, Kashycze“, 1519 „Kansycza“, 1793-1807, 1815-1945: Kainscht, Landkreis Meseritz; 1945: Keszyca.
1815-1922: Großherzogtum (ab 1849 Provinz) Posen; 1922-1938: Provinz Grenzmark Posen- Westpreußen; 1938-1945: Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Frankfurt (Oder); 1945-1975: powiat miedzyrzecki, 1946-1950: Wojewodschaft Poznan; 1950-1975: Wojewodschaft Zielona Góra; 1975-1998 Wojewodschaft Gorzów Wkp.; 1999: gmina Miedzyrzecz, powiat miedzyrzecki, wojewódsztwo lubuskie.
Kainscht (poln. Keszyca)
Ausschnitt aus: Bundesarchiv, KART 210-5-298 / Fotograf: o. Ang.


Einwohnerzahl:
- 1885: 667; 1910: 709; 1925: 713; 1933: 630; 1939: 240; 2022: 103.
- Haushalte: 1885: 136; 1905: 151; 1925: 151. – ca. 60 % evangelisch, ca. 40 % römisch-katholisch. - Standesamt vor 1945: Meseritz (Landbezirk)

Größe/Lage
21,549 qkm. – Geographische Lage: 52°242363N – 15°302483O . – Messtischblatt 3559. –
6 km südlich von Meseritz. – Postleitzahl: PL-66-305
Kainscht liegt 6 km südwestlich von Meseritz, von Wäldern umgeben, in abwechslungsreichem Gelände in der Nähe der Überreste des „Ostwalls“ (Miedzyrzecki Rejon Umocniony) und des Naturschutzgebiets Nipter (rezerwat przyrody Nietoperek).

Braunkohlengruben im Ortsgebiet (1935):
Gutglück; Robertsegen; Kainscht Abbau.
– Wohnplatz: Charlottenhof.
– 1925: 21 Gewerbebetriebe; Elektrizizätswerk (Braunkohle aus der Grube Robertsegen) versorgte die Kreise Meseritz und Schwerin (Warthe), vor 1920 auch Birnbaum. Anfang der 1930er Jahre wurde es an die Märkischen Elektrizitätswerke Finkenheerd verkauft.

Geschichte

1328 kam Kainscht als Zinsdorf in der Herrschaft Meseritz auf Anordnung des polnischen Königs Wladyslaw Lokietek in den Besitz des Bischofs von Lebus, im 14. Jahrhundert lag der Ort als Eigentum des Schlosses Meseritz in der Kastellanei Meseritz, 1595 wird er als im Kreis Posen gelegenes Dorf der polnischen Krone erwähnt.
1405 war er Sitz einer Pfarrei im Meseritzer Dekanat. Das Dorf wurde 1565 vom Starosten von Meseritz beschrieben: Danach waren dort 30 Bauern ansässig, die für 21 Parzellen Pacht zahlten, auf denen sie vor allem Hafer anbauten, außerdem sieben Kleinbauern. Im Dorf gab es zwei Gastwirte. Der Dorfvorsteher besaß 2,5 Parzellen, auf denen ein Bauernhof für das Meseritzer Schloss von Miedzyrzecz eingerichtet war. Das königliche Dorf gehörte zur Starostei Meseritz im Kreis Posen der Wojewodschaft Posen.
Mit der zweiten Teilung Polens fiel Kainscht 1793 an den Kreis Meseritz, 1807 bis 1815 an das napoleonische Herzogtum Warschau. Danach gehörte es bis 1945 zum Kreis Meseritz, bis 1920/22 in der Provinz Posen, 1922-1938 in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, nach deren Auflösung 1938-1945 in der Provinz Brandenburg im Königreich bzw. Freistaat Preußen.
Bis 1831 Zinsdorf der Herrschaft Meseritz, danach im Besitz freier Bauern. 1930 erhielt Kainscht eine zentrale Wasserleitung. Sechs Vereine zeugten bis zu ihrem Verbot 1935 vom regen sozialen Leben.
Nach 1933 wurde durch das Ortsgebiet der sog. Ostwall erbaut. Mit der Aussiedlung der Bevölkerung wurde die Reichssiedlungsgesellschaft betraut. Die evangelischen Bewohner wurden zum großen Teil 1937/38 nach Kurzig (Kursko), Ortsteil Neu Kainscht, umgesiedelt, die Katholiken nach Paradies-Siedlung (Goscikowo). Der größere Teil flüchtete am 28. Januar 1945 vor der Roten Armee in Richtung Oder. Im Ort wurden vor allem Arbeitskräfte für den Bau und Betrieb des Ostwalls untergebracht.

Kirchen
Die katholische Kirche in Kainscht war katholische Pfarrkirche, zu der die Allerheiligenkirche von Nipter (Nietoperek) gehörte, bis die Gemeinde 1641 mit der Hospitalkirche von Meseritz vereinigt wurde. Nach dem Ende der Hospital-Pfarrei kam Kainscht als Tochterkirche zur Pfarrkirche von Meseritz.
Die als Fachwerkbau ausgeführte katholische Kirche St. Martin wurde 1728 an der Stelle eines hölzernen Gotteshauses errichtet und 1886 durch einen neugotischen Turm ergänzt. Die Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert wurde aus anderen Kirchen ergänzt (Glocke aus dem Jahr 1591, Seitenaltar aus der eingegangenen Allerheiligenkirche in Nipter).
Der Pfarrbezirk wurde 1819 vom preußischen Staat an den Grundbesitzer verkauft und unterstand der Propstei Meseritz. Um die Kirche herum lag früher der Friedhof.
Die evangelische Kirche wurde 1929 erbaut.


Archivalien

· Grundakten 1806-1944 (287 Akten); Grundbuch (1 Akte). – Archiwum Panstwowe Gorzów Wkp.

· Katholisches Kirchenbuch 1749-1797. – Staatsarchiv Leipzig


Literatur

· Kainscht. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. In: Katholisches Kirchenblatt 1925, Nr. 29 (15.11.1925). – Wiederabdruck. – HGr 94, 1985, S. 4-5.

· Freier, Ernst: Erinnerungen an Kainscht. – HGr 89, 1983, S. 5-6.

· Reiche, Hubert: Unser altes Kainscht. Was hat es doch mit Alt-Kainscht und Neu-Kainscht zu tun?

· HGr 128, 1994, S. 3-5; HGr 129, 1994, S. 5-7.

· Reiche, Hubert: Die Umsiedlung des Dorfes Kainscht. – HGr 155, 2000, S. 17-19.

· Reiche, Hubert: Unsere Wasserleitung in Kainscht. – HGr 173, 2005, S. 25-26.