NACHRUF
Zum Gedenken an Brunfriede Fischer v. Mollard


Ulrich Radomski, 1933-2020Am 9. August 2022 verstarb in Bremen unsere
langjährige, engagierte Schriftführerin
BRUNFRIEDE FISCHER VON MOLLARD (geb. 27. April 1930 in Obrawalde)
aus Tirschtiegel im Alter von 92 Jahren.


Für uns Geschwister völlig unerwartet ist unsere liebe Schwester Brunfriede am Dienstag, dem 09.08.2022 ganz friedlich für immer eingeschlafen. Weder sie noch jemand aus der Familie hätte bis zum Vortag damit gerechnet. Körperlich durch die in frühester Jugend erlittene Kinderlähmung gezeichnet und im Alter dadurch zunehmend gehandicapt, war sie bis zum letzten Tag geistig fit und nahm regen Anteil an ihrer Umgebung wie auch am Familienleben. Mit Ihren 92 Jahren war sie bis zum Ende ihres irdischen Weges ein lebensbejahender „Einspänner“, wie sie immer von sich selbst sagte, und das anerkannte, geschätzte Oberhaupt unserer Familie. Als ältestes von insgesamt 7 Geschwistern erblickte sie in Obrawalde das Licht der Welt und verbrachte bis Januar 1945 die ersten Lebensjahre auf Schloss Tirschtiegel, von wo sie die Städtische Mittelschule und spätere Walter-Flex-Schule in Meseritz besuchte. Die Flucht der Familie über Berlin und Goslar/Harz endete schließlich im Kreis Herzogtum Lauenburg im südlichen Schleswig-Holstein.

Ihre berufliche Karriere begann Brunfriede 1947 in Lübeck mit der Ausbildung zur Handweberin. Nach Gesellenjahren in der Schweiz und in Warburg legte sie in Neumünster die Meisterprüfung als Handweberin ab und leitete anschließend in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel die dortige Handweberei. In den 60-er Jahren wagte sie mutig eine völlige Neuausrichtung ihres Lebens, studierte über den zweiten Bildungsweg und legte an der Pädagogischen Hochschule in Bremen mit Erfolg die erste und zweite Lehrerprüfung ab, um anschließend die 25 Jahre währende engagierte Tätigkeit als Lehrerin an der Freien Waldorfschule in Bremen aufzunehmen, die sie bis zum Eintritt in den Ruhestand 1995 ausübte.

1976 fuhr Brunfriede erstmals wieder in die unvergessene Heimat nach Tirschtiegel. In den 1980-er Jahren folgte sie dann dem Ruf von Ernst Hoffmann und stellte sich dem Heimatkreis Meseritz als Beiratsmitglied zur Verfügung. Als nach dem zeitgleichen Rücktritt Eitel Krügers vom Vereinsvorsitz und Ernst Hoffmanns als Herausgeber des Heimatgrußes dem Verein Ende 1990 das Aus drohte, sprang sie gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern trotz ihrer beruflichen Belastungen beherzt ein und übernahm die Funktion der „Herausgeberin“ des Heimatgrußes, ab 2001 die „Schriftleitung“, wobei ihr der unvergessene Joachim Schmidt von Beginn an zusammen mit abwechselnden Heimatfreunden zur Seite standen. Ihr damaliges Bekenntnis „Jeder von uns muss sich einsetzen, um dieses Stück Heimat, diese letzte Brücke, die uns alle verbindet, zu erhalten“ ist auch heute noch brandaktuell! Mit Disziplin und Engagement, mit Pflichtbewusstsein, Herzblut und Phantasie, aber auch mit großer innerer Anteilnahme und Freude arbeitete Brunfriede 25 Jahre lang von 1991 bis 2015 an insgesamt 98 HEIMATGRUSS-Ausgaben mit, am Ende nur unter Schmerzen, bis ihre Gesundheit letztlich nicht mehr mitspielte. Während dieser Zeit entstand zu vielen Heimatfreunden ein freundschaftliches und bisweilen persönliches Verhältnis. Sie alle werden mit unserer Familie trauern, sie vermissen und ihr Andenken in Ehren halten.


Liebe und verehrte Familie
Fischer von Mollard und Nachfahren

Wir trauern mit Euch/Ihnen um Brunfriede Sie war unseren Herzen nahe und gerade auch darum nahmen wir sie in den letzten 25 Jahren so gerne zu Gast zu uns „unterm Reetdach“ - wie sie selber einmal in unser Gästebuch schrieb. Wir waren uns auch im Glauben einig und so wissen wir sie jetzt, wo ihre irdische Hülle verbrannt wird, in Gottes Händen, und ein Wiedersehen in jener zukünftigen Herrlichkeit ist uns gewiss. Wohl dem, der so glauben kann!
Meine Bekanntschaft und Freundschaft mit Brunfriede ist schon sehr alt und stammt aus der Tirschtiegler Heimat. Ich war 5 Jahre alt und Brunfriede 13 Jahre, als sie mit ihrem Pony-Gespann zur Reparatur zu unserem Nachbarn, dem Sattlermeister Herrmann Naatz kam. Schon damals liebte ich den Geruch von Leder und saß deshalb - freundlich geduldet - in Naatz Werkstatt auf dem Fußboden und spielte mit Leder- Riemen und Schnallen, Brunfriede nahm mich auf die Kutsche und fuhr mit mir eine Runde, um den Tirschtiegler Markt. Eine Freude für mich als Pferdefreund, (der ich ja bis heute bin).
Nach der Flucht begegneten wir uns bei den Heimattreffen und als Mai und ich vor 30 Jahren den Heinbockler-Resthof gekauft hatten, Pferdezucht und Fuhrunternehmen zugunsten meines estnischen Gefängnis-Pfarrer-Partners betrieben, kam Brunfriede oft mit ihrer „Silbermöwe“ zu uns. Besonderer Höhepunkt war ihr 80. Geburtstag bei uns und ein Spinn-Lehrgang, den sie für uns mit unseren „Spinnern“ = Spinn-Interessierten in unserem Wohnzimmer an einem Wochenende abhielt. Diese Ereignisse alle hat Mai mit unserer kleinen Kamera gefilmt und wir beide werden, da wir zur Trauerfeier nicht kommen können, zu dieser Stunde die Filme mit unserer geliebten und verehrten Brunfriede anschauen.

Seien sie alle freundlich gegrüßt von Ihren Mittrauernden
Mai und Rudolf Lehmann


In Heinbockel unter dem Reet-Dach
da schläft es sich gut und geborgen.
Nadja der Wecker klingelt so früh –
ach – mach dir bloß keine Sorgen.
Hast noch veel Tied!
Dann wiehert‚s vom Hof hell aus dem Stall!
Das war mein Weckruf - auf jeden Fall.
Ihr Norweger Pferdchen, ich liebe euch,
seid meine Freunde aus der Kindheit Reich.
Danke, Brunnfriede.