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15. Heimatreffen der Meseritzer und
Birnbaumer in Perleberg
Busfahrt durch die Prignitz
von Vorstand und Beirat
Text und Fotos: J. und W. Gladisch
Am Freitag, dem 8. Mai, nach der Vorstands- und
Beiratssitzung fuhr, wie vereinbart, gegen 15 Uhr
der Autobus für die inzwischen schon traditionelle
Prignitzfahrt vor dem Hotel Stadt Magdeburg
in Perleberg vor. Nachdem alle Fahrgäste und
der Fremdenführer, Herr Schmidt, wie gewohnt in
der Uniform des Admirals Gijsles van Lier, eingestiegen
waren, ging die Fahrt los.
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| Fremdenführer Jürgen Schmid in der Uniform eines holländischen Admirals. |
Über die Bundesstraße 189 fuhren wir nach
Südwesten in Richtung Wittenberge. Übrigens befand
sich in Wittenberge eine Ölmühle, die
zeitweise die größte Ölmühle Europas war.
Im Bereich eines im Zuge des Weiterbaus der
Autobahn A14 neu gebauten Kreisverkehrs bei
Wittenberge bog unser Busfahrer „Janusz“ in Richtung
Lanz ab. Auf der B 195 fuhren wir bei herrlichem
Frühlingswetter über Wentdorf und Cumlosen
nach Lanz. Ein Teil der Strecke säumte der
Gadower Forst, ein großes Waldgebiet, was im
waldreichen Bundesland Brandenburg eigentlich
nichts Ungewöhnliches ist. Das Besondere an diesem
Waldgebiet ist allerdings, dass es sich um
einen Douglasienwald handelt. Douglasien kommen
vorwiegend im Westen Nordamerikas vor und
wurden 1827 nach Europa eingeführt. Sie werden
in Europa zwischen 40 bis 60 Meter hoch und
sind besonders widerstandsfähig.
Laut unserem Fremdenführer Herrn Schmidt
wurden Douglasien aus dem Gadower Forst nach
dem Brand auf Schloss Windsor, dem Sitz der
englischen Königsfamilie in der Nähe von London,
im Jahre 1992 zum stilechten Wiederaufbau des
Schlosses verwendet.
In Lanz angekommen unterbrachen wir unsere
Fahrt, um die Gedenkstätte von Friedrich-
Ludwig Jahn, dem späteren Turnvater Jahn und
die Lanzer Kirche zu besichtigen. Zunächst gingen
wir in die Jahn-Gedenkstätte, einem sehr gut
erhaltenen Ziegelbau, der früher die Schule des
Ortes beherbergte und nun zum genannten Museum
umfunktioniert wurde.
Friedrich Ludwig Jahn wurde am 11. August
1778 in Lanz als Sohn eines evangelischen Pfarrers
geboren. Sein Geburtshaus ist bis heute erhalten.
Jahns 1816 erschienene Schrift Die Deutsche
Turnkunst bildete den Grundstein für die
Turnbewegung. Er vertrat die Philosophie, dass
der Turnsport nicht nur der körperlichen und geistigen
Ertüchtigung, sondern auch der Freiheit und
Einheit des Staates dienen sollte.
Er führte das Reck und den Barren in den
Gerätesport ein und gründete mit Freunden in der
Hasenheide bei Berlin den ersten Deutschen Turnplatz.
F.W. Jahn war auch Pädagoge, Schriftsteller
und Politiker. Nach zahlreichen Stationen in
seinem bewegten Leben verstarb er am 15. 0kt.
1852 in Freyburg an der Unstrut in Sachsen-Anhalt.
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| Jürgen Schmidt vor der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätte in Lanz mit unserer Redakteurin Thea Schmidt. |
Anschließend gingen wir in die unmittelbar hinter
der F.W.-Jahn-Gedenkstätte gelegene denkmalgeschützte
evangelische Dorfkirche. Dort empfing
uns Pfarrer Wolfgang Nier, der uns die Geschichte
der Kirche erzählte. Die erste Kirche, die
sich an dieser Stelle befand, wurde durch Brandstiftung
zerstört. An ihrer Stelle wurde 1527 erneut
eine Kirche aus Feldsteinen erbaut. Wenn
man das schlichte Kirchengebäude von außen betrachtet,
vermutet man nicht, dass das Innere des
Gotteshauses so schön gestaltet ist.
Der Innenraum ist mit einem Kanzelaltar und
Emporen aus Holz ausgestattet. Unter der
Kirchendecke schwebt horizontal an einem Seil
hängend ein Taufengel, der zu Taufen heruntergelassen
wird, bzw., der zu diesen Anlässen „herunterschwebt“. Der Taufengel in der Lanzer Kirche
hat einen „Silberblick“. Böse Zungen behaupten,
der Künstler, der den Engel geschaffen hat,
habe damit seine schielende Schwiegermutter
abgebildet. Beim Verlassen der Kirche wurden wir
darauf hingewiesen, dass der Kirchenturm mit
einer alten sogenannten Einzeigeruhr ausgestattet
ist. Erst ab dem späten 17. Jahrhundert wurden
Zweizeigeruhren, wie wir sie heute kennen,
gebaut.
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| Pfarrer Nier mit dem von der Decke
heruntergeschwebten Engel mit dem Silberblick |
Nachdem wir mit vielen interessanten Informationen
die Lanzer Kirche verlassen hatten, ging
es mit dem Bus weiter nach Ferbitz, einem Dorf,
das zur Gemeinde Lanz gehört. In Ferbitz hatte
unser Fremdenführer, Herr Schmidt, in der Gastwirtschaft
Bauer bereits im Vorfeld der Fahrt ein
Kaffeetrinken für uns organisiert.
Bei unserem Eintreffen fanden wir einen gemütlichen
Raum mit einem schön gedeckten Tisch
vor. Bei sehr leckerem Kuchen und Kaffee verging
die Zeit wie im Flug, sodass wir uns danach
aufraffen mussten, um die Fahrt fortzusetzen.
Auf der B195 fuhren wir nach einem Abstecher
in Lenzen weiter in Richtung Westen. Unser Ziel
war der ehemalige DDR-Grenzwachturm Lenzen,
der als Erinnerungsmal bewusst stehengelassen
wurde. Er befindet sich ca. 3 km südwestlich von
Lenzen und liegt auf einem Deich an einem langgezogenen
Elbebogen. Die ehemalige Grenze
zwischen der BRD und der DDR verlief in diesem
Bereich in der Mitte der Elbe.
Den ehemaligen Aussichts- und Kontrollraum
des Turms kann man über eine nach der Wende
davorgesetzte Stahlwendeltreppe betreten. Von
hier aus kann man die Elbe sowohl in östlicher
als auch in westlicher Richtung sehr weit überblicken.
Somit lag dieser Turm logischerweise für den
DDR-Grenzschutz an einem strategisch wichtigen
Punkt. Wenn man in diesem Raum steht und ins Land schaut, das auf beiden Seiten der Elbe
Deutschland war und ist, dann hat das in Anbetracht
der Geschichte der letzten 80 Jahre schon
etwas Bedrückendes. Glücklicherweise ist unser
Vaterland nun wieder vereint und wir können dies- und
jenseits der Elbe in Freiheit leben.
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| Blick vom ehemaligen Wachturm auf den Nebenarm der Elbe |
Und weiter ging die Fahrt in Richtung Mödlich,
einem kleinen Dorf nahe der Elbe. Unterwegs
befinden sich rechts und links der Straße große
Ackerflächen. Hier wurden wir von Herrn Schmidt,
auf eine Besonderheit aufmerksam gemacht.
Es handelt sich bei diesen Ackerflächen um
sogenannte Wölbäcker, die vermutlich bereits im
Mittelalter angelegt wurden.
Sie verdanken ihren Namen der Form ihrer
Oberfläche. Wölbungen und Furchen ziehen sich
in mehreren Metern Abstand wiederholend längs
über die Felder und bilden in dieser Form den
Ackerboden. Über den Grund ihrer Entstehung
und den Nutzen dieser Bodenform sind sich Geologen
und Historiker bis heute nicht vollkommen
einig. Fest steht jedenfalls, dass die Menschen
schon vor geraumer Zeit durch Intelligenz und
Fleiß versucht haben den Ackerboden möglichst
fruchtbar und ertragreich zu gestalten.
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| Musterfoto von einem Wölbacker bei Münster, – im
Hintergrund vor den Bäumen kann man die Wölbungen
des Ackers erkennen Quelle: Wikipedia |
Nachdem wir am Ende des Ortes Mödlich vor
dem Hotel Alte Fischerkate gewendet hatten, führte
uns der Weg weiter über Lenzen zum Rambower
Moor.
Das Moor ist ein Naturschutzgebiet. Es gehört
zum Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-
Brandenburg und hat eine Fläche von etwa 450 ha. Beim Durchfahren der Ortschaft Nausdorf hat
unser Fahrer Janusz bewiesen, dass er sein Handwerk
versteht. Bei sehr engen Straßen steuerte
er den Bus mit Ruhe und Augenmaß sicher durchs
Dorf.
Von dort aus ging es auf direktem Wege nach
Perleberg zurück. Gegen 19.00 Uhr erreichten wir
mit vielen schönen Eindrücken und einprägsamen
Informationen unser Hotel.

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