15. Heimatreffen der Meseritzer und
Birnbaumer in Perleberg


Busfahrt durch die Prignitz
von Vorstand und Beirat


Text und Fotos: J. und W. Gladisch





Am Freitag, dem 8. Mai, nach der Vorstands- und Beiratssitzung fuhr, wie vereinbart, gegen 15 Uhr der Autobus für die inzwischen schon traditionelle Prignitzfahrt vor dem Hotel Stadt Magdeburg in Perleberg vor. Nachdem alle Fahrgäste und der Fremdenführer, Herr Schmidt, wie gewohnt in der Uniform des Admirals Gijsles van Lier, eingestiegen waren, ging die Fahrt los.
Heimatkreistreffen in
Perleberg – 9. Mai 2026
Fremdenführer Jürgen Schmid in der Uniform eines holländischen Admirals.


Über die Bundesstraße 189 fuhren wir nach Südwesten in Richtung Wittenberge. Übrigens befand sich in Wittenberge eine Ölmühle, die zeitweise die größte Ölmühle Europas war. Im Bereich eines im Zuge des Weiterbaus der Autobahn A14 neu gebauten Kreisverkehrs bei Wittenberge bog unser Busfahrer „Janusz“ in Richtung Lanz ab. Auf der B 195 fuhren wir bei herrlichem Frühlingswetter über Wentdorf und Cumlosen nach Lanz. Ein Teil der Strecke säumte der Gadower Forst, ein großes Waldgebiet, was im waldreichen Bundesland Brandenburg eigentlich nichts Ungewöhnliches ist. Das Besondere an diesem Waldgebiet ist allerdings, dass es sich um einen Douglasienwald handelt. Douglasien kommen vorwiegend im Westen Nordamerikas vor und wurden 1827 nach Europa eingeführt. Sie werden in Europa zwischen 40 bis 60 Meter hoch und sind besonders widerstandsfähig.
Laut unserem Fremdenführer Herrn Schmidt wurden Douglasien aus dem Gadower Forst nach dem Brand auf Schloss Windsor, dem Sitz der englischen Königsfamilie in der Nähe von London, im Jahre 1992 zum stilechten Wiederaufbau des Schlosses verwendet.

In Lanz angekommen unterbrachen wir unsere Fahrt, um die Gedenkstätte von Friedrich- Ludwig Jahn, dem späteren Turnvater Jahn und die Lanzer Kirche zu besichtigen. Zunächst gingen wir in die Jahn-Gedenkstätte, einem sehr gut erhaltenen Ziegelbau, der früher die Schule des Ortes beherbergte und nun zum genannten Museum umfunktioniert wurde.
Friedrich Ludwig Jahn wurde am 11. August 1778 in Lanz als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Sein Geburtshaus ist bis heute erhalten. Jahns 1816 erschienene Schrift Die Deutsche Turnkunst bildete den Grundstein für die Turnbewegung. Er vertrat die Philosophie, dass der Turnsport nicht nur der körperlichen und geistigen Ertüchtigung, sondern auch der Freiheit und Einheit des Staates dienen sollte. Er führte das Reck und den Barren in den Gerätesport ein und gründete mit Freunden in der Hasenheide bei Berlin den ersten Deutschen Turnplatz. F.W. Jahn war auch Pädagoge, Schriftsteller und Politiker. Nach zahlreichen Stationen in seinem bewegten Leben verstarb er am 15. 0kt. 1852 in Freyburg an der Unstrut in Sachsen-Anhalt.


Heimatkreistreffen in
Perleberg – 9. Mai 2026
Jürgen Schmidt vor der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätte in Lanz mit unserer Redakteurin Thea Schmidt.


Anschließend gingen wir in die unmittelbar hinter der F.W.-Jahn-Gedenkstätte gelegene denkmalgeschützte evangelische Dorfkirche. Dort empfing uns Pfarrer Wolfgang Nier, der uns die Geschichte der Kirche erzählte. Die erste Kirche, die sich an dieser Stelle befand, wurde durch Brandstiftung zerstört. An ihrer Stelle wurde 1527 erneut eine Kirche aus Feldsteinen erbaut. Wenn man das schlichte Kirchengebäude von außen betrachtet, vermutet man nicht, dass das Innere des Gotteshauses so schön gestaltet ist. Der Innenraum ist mit einem Kanzelaltar und Emporen aus Holz ausgestattet. Unter der Kirchendecke schwebt horizontal an einem Seil hängend ein Taufengel, der zu Taufen heruntergelassen wird, bzw., der zu diesen Anlässen „herunterschwebt“. Der Taufengel in der Lanzer Kirche hat einen „Silberblick“. Böse Zungen behaupten, der Künstler, der den Engel geschaffen hat, habe damit seine schielende Schwiegermutter abgebildet. Beim Verlassen der Kirche wurden wir darauf hingewiesen, dass der Kirchenturm mit einer alten sogenannten Einzeigeruhr ausgestattet ist. Erst ab dem späten 17. Jahrhundert wurden Zweizeigeruhren, wie wir sie heute kennen, gebaut.


Heimatkreistreffen in
Perleberg – 17. Mai 2025
Pfarrer Nier mit dem von der Decke heruntergeschwebten Engel mit dem Silberblick


Nachdem wir mit vielen interessanten Informationen die Lanzer Kirche verlassen hatten, ging es mit dem Bus weiter nach Ferbitz, einem Dorf, das zur Gemeinde Lanz gehört. In Ferbitz hatte unser Fremdenführer, Herr Schmidt, in der Gastwirtschaft Bauer bereits im Vorfeld der Fahrt ein Kaffeetrinken für uns organisiert.
Bei unserem Eintreffen fanden wir einen gemütlichen Raum mit einem schön gedeckten Tisch vor. Bei sehr leckerem Kuchen und Kaffee verging die Zeit wie im Flug, sodass wir uns danach aufraffen mussten, um die Fahrt fortzusetzen.

Auf der B195 fuhren wir nach einem Abstecher in Lenzen weiter in Richtung Westen. Unser Ziel war der ehemalige DDR-Grenzwachturm Lenzen, der als Erinnerungsmal bewusst stehengelassen wurde. Er befindet sich ca. 3 km südwestlich von Lenzen und liegt auf einem Deich an einem langgezogenen Elbebogen. Die ehemalige Grenze zwischen der BRD und der DDR verlief in diesem Bereich in der Mitte der Elbe.
Den ehemaligen Aussichts- und Kontrollraum des Turms kann man über eine nach der Wende davorgesetzte Stahlwendeltreppe betreten. Von hier aus kann man die Elbe sowohl in östlicher als auch in westlicher Richtung sehr weit überblicken. Somit lag dieser Turm logischerweise für den DDR-Grenzschutz an einem strategisch wichtigen Punkt. Wenn man in diesem Raum steht und ins Land schaut, das auf beiden Seiten der Elbe Deutschland war und ist, dann hat das in Anbetracht der Geschichte der letzten 80 Jahre schon etwas Bedrückendes. Glücklicherweise ist unser Vaterland nun wieder vereint und wir können dies- und jenseits der Elbe in Freiheit leben.


Heimatkreistreffen in
Perleberg – 9. Mai 2026
Blick vom ehemaligen Wachturm auf den Nebenarm der Elbe


Und weiter ging die Fahrt in Richtung Mödlich, einem kleinen Dorf nahe der Elbe. Unterwegs befinden sich rechts und links der Straße große Ackerflächen. Hier wurden wir von Herrn Schmidt, auf eine Besonderheit aufmerksam gemacht. Es handelt sich bei diesen Ackerflächen um sogenannte Wölbäcker, die vermutlich bereits im Mittelalter angelegt wurden.
Sie verdanken ihren Namen der Form ihrer Oberfläche. Wölbungen und Furchen ziehen sich in mehreren Metern Abstand wiederholend längs über die Felder und bilden in dieser Form den Ackerboden. Über den Grund ihrer Entstehung und den Nutzen dieser Bodenform sind sich Geologen und Historiker bis heute nicht vollkommen einig. Fest steht jedenfalls, dass die Menschen schon vor geraumer Zeit durch Intelligenz und Fleiß versucht haben den Ackerboden möglichst fruchtbar und ertragreich zu gestalten.

Heimatkreistreffen in
Perleberg – 9. Mai 2026
Musterfoto von einem Wölbacker bei Münster, – im Hintergrund vor den Bäumen kann man die Wölbungen des Ackers erkennen Quelle: Wikipedia


Nachdem wir am Ende des Ortes Mödlich vor dem Hotel Alte Fischerkate gewendet hatten, führte uns der Weg weiter über Lenzen zum Rambower Moor.
Das Moor ist ein Naturschutzgebiet. Es gehört zum Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe- Brandenburg und hat eine Fläche von etwa 450 ha. Beim Durchfahren der Ortschaft Nausdorf hat unser Fahrer Janusz bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Bei sehr engen Straßen steuerte er den Bus mit Ruhe und Augenmaß sicher durchs Dorf.
Von dort aus ging es auf direktem Wege nach Perleberg zurück. Gegen 19.00 Uhr erreichten wir mit vielen schönen Eindrücken und einprägsamen Informationen unser Hotel.