Eine Reise nach Bauchwitz / Bukowiec im Juni 2000
Text: Götz von Gersdorff, Fotos: H. Zoch

Zum zweiten Mal fuhr ich mit einigen Familienangehörigen von Berlin aus nach Bauchwitz. Immer ist es ein besonderes Erlebnis nach Überquerung der Oder in ein Gebiet zu kommen, das viele Jahrhunderte zu Deutschland gehörte und dessen Grundzüge, die sich in den Dörfern noch erhalten haben, völlig deutsch sind. Bauchwitz hat sich wenig verändert, nur, daß die Hälfte der Durchgangsstraße (Große Seite) bis zum Dorfpfuhl asphaltiert ist wie auch die Straße von Bauchwitz nach Meseritz und Richtung Neu-Bentschen.

Auffallend ist, daß man kaum Menschen auf den Straßen sieht, und so wirkt der Ort ziemlich ausgestorben, was mir vor Jahren schon aufgefallen war. Die Häuser sind dieselben, die schon vor 60 und mehr Jahren existierten, nur, daß diese meistens in diesen vergangenen Jahrzehnten keinen neuen Putz oder Anstrich erhielten.


Bauchwitz 2004

Dieses Mal wurden wir vom neuen Besitzer des Gutes, dem deutschsprechenden Herrn Lescek Bialic aus Birnbaum empfangen, der uns freundlicherweise durch verschiedene Gebäude des Gutshofes führte. Er hat im November 1999 den landwirtschaftlichen Teil des Gutes mit Hof (700 Hektar) gekauft.
Von den Gebäuden befinden sich in einem guten Zustand der ehemalige Getreidespeicher, wo das Saatgut selektioniert und gebeizt wurde, sowie die Brennerei, die gesamtüberholt wurde. Diese ist mit einem neuen Dampfkessel und anderer Maschinerie ausgestattet worden, da man der Alkoholbereitung eine besondere Bedeutung gibt, die jetzt eine Kornbrennerei ist und der erzeugte Alkohol wohl meistens für die Wodkafabrikation bestimmt wird.

Bei dieser Gelegenheit konnte ich die Räumlichkeiten wiedersehen, wo ich vor 66 Jahren eingeschult worden bin. Besonders hat mich auch die Bauweise des ehemaligen Kuhstalls beeindruckt, der vor mehr als 100 Jahren mit einer arkadenartigen Decke gebaut wurde, die auf gusseisernen Pfeilern ruht.
Der darauf gebaute Heuboden bedarf dringender Reparatur, da dieser einzustürzen droht. Der Zustand der restlichen Gutsgebäude ist trostlos und es besteht Einsturzgefahr und
sie sind aus diesem Grunde auch geschlossen. Der Hofpfuhl, der vor 4 Jahren noch Wasser gehabt hat, ist augenblicklich völlig trocken und verunkrautet; da das von der Brennerei kommende Wasser seit zwei Jahren ausgeblieben ist. Vor zwei Jahren war die Brennerei noch in Betrieb, da das Gut verpachtet war. Der damalige Pächter machte angeblich Pleite und auch aus diesem Grunde liegen die Felder seit zwei Jahren brach. Im kommenden Jahr will man wieder mit den Aussaaten beginnen und das erzeugte Getreide als Rohstoff für die Brennerei verwerten. Das Gutshaus wurde bald nach der Besetzung durch die Russen in Brand gesteckt und so ist von diesem nichts mehr erhalten, wie auch nicht von dem Vorgarten mit dem Springbrunnen und der großen Linde. Auf dieser Fläche stehen heute zwei äußerst hässliche Maschinenschuppen, die leer sind, und einige unbrauchbare landwirtschaftliche Maschinen fristen ihr Dasein.

Der Park ist noch vollständig erhalten und hat sich bis auf die Höhe des ehemaligen Schlosses ausgedehnt, also bis zu den Schuppen. Auffallend ist, daß die Nadelbäume aus diesem verschwunden sind und hauptsächlich Ulmen wachsen, die gigantische Größen besitzen. Es ist überwältigend durch diesen zu wandern, denn er hat nach 55 Jahren Verlassenheit den Charakter eines Urwaldes. Er soll angeblich der Gemeinde (jetzt Meseritz) gehören und ist betretbar durch einen Eingang gegenüber der Post (Kleine Seite). Vom Hof aus ist dies nicht möglich. Der Umfang des Bingsgrundes ist stark reduziert und weiterhin von Entengrütze bedeckt. Die Wege sind von den Bäumen zugewachsen, und man kann sich nur noch auf Pfaden bewegen. Das Haus auf dem Blocksberg ist weiterhin bewohnt, hat durch einen wenig schönen Putz an Aussehen verloren.
Auf dem davorliegenden Rasen stehen noch einige alte, verkrüppelte Apfelbäume, doch auch Wohngebäude, die in ihrer Häßlichkeit unschlagbar sind. Die Gärtnerei liegt still, was vor vier Jahren nicht der Fall gewesen ist. Auf der Kleinen Seite davor sind die Kastanienbäume schöner denn je.
Von dem Erbbegräbnis, welches in den 70er Jahren gesprengt wurde, kann man nur noch einige Trümmer finden und die Natur ist dabei, diesen Platz von Bäumen überwachsen zu lassen. Der aus der Kapelle stammende Christus soll auf dem ehemaligen Friedhof neben der neuen Kirche aufgestellt sein. Die Reste der im Erbbegräbnis Aufgebahrten dürften irgendwo beerdigt sein. All dies ist mit einem normalen menschlichen Verstand nicht zu fassen.

Bauchwitz; Friedhof 1979


So kann man den Park als den schönsten und sehenswürdigsten Teil von Bauchwitz bezeichnen, einmal, weil er die Vergangenheit in einem wiedererwecken hilft und weil die mächtige Natur hilft, auch die tiefsten Wunden zu heilen.


Bauchwitz; Friedhof 1979


Anerkennenswert ist der Zustand des Waldes, der einen sehr guten Eindruck macht und man die Vorkriegswälder bewundern kann in ihrer Größe und dunkelgrünen Farbe. Soweit ich es sehen konnte, werden abgeholzte Wälder sofort wieder aufgeforstet. Die Schönheit dieser Wälder ist sehenswert und dürfte für einen zukünftigen Tourismus ein bedeutendes Potential besitzen.
Bisher habe ich nur die am Bauchwitzer See liegenden Forsten gesehen, die diesem einen besonders schönen Rahmen geben und im Westen Deutschland eine Attraktion für den Touristen sein müssten.
Auch wenn der trostlose Anblick der Dörfer nicht zusagend ist, so ist das von weiten Feldern und dunklen Wäldern geprägte Landschaftsbild vielleicht schöner als es je gewesen ist. Mir ist nicht bekannt, wie viele Einwohner dieser ehemalige Teil des deutschen Ostens augenblicklich besitzt, doch erscheint dieser dem Reisenden beinahe wie ein Niemandsland, verglichen mit dem westlichen Deutschland.


Zu den Unterlagen, die uns freundlicherweise die Familie von Gersdorff für den Meseritzer Stadtverordneten Marcin Kusik und seine Initiative der Sanierung und Wiederherstellung des Parks in Bauchwitz/Bukowiec (sh. HGr 231 S. 54) zur Verfügung gestellt hat, gehörte auch der obige Bericht über den Besuch auf dem ehemaligen elterlichen Gut im Jahr 2000. Heimatfreunde, die noch konkrete Informationen zur Parkanlage vor 1945 geben können, setzen sich bitte mit der HGr-Redaktion in Verbindung.