NACHRUF
Zum Gedenken an Pastor Dr. Johannes Launhardt:
geboren am 8. September 1929 - verstorben am 31. Juli 2019

Leonhard v. Kalckreuth - 1930-2017 - Foto: Csaba Peter RakosczyMit tiefer Betroffenheit haben
wir vom Tod unseres Freundes und langjährigen Mitglieds der vereinigten Heimatkreise Meseritz/Birnbaum erfahren, der kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres aus dem Diesseits abberufen worden ist.

Mit ihm ist ein Heimatfreund von uns gegangen, der zwar einen großen Teil seines Lebens in fernen Ländern verbrachte, dabei aber nie die Liebe zu seiner Heimat verlor.
Johannes Launhardt wurde in Birnbaum/Miedzychód geboren und besuchte bis 1939 die dortige Deutsche Privatschule. Anschließend ging er bis 1944 zur Volks- und Mittelschule, um danach eine kaufmännische Lehre aufzunehmen. Noch zum sog. „Osteinsatz“ eingezogen endete seine Flucht in Pritzwalk in der Ostprignitz.
Im Dezember 1945 zog die Familie weiter westwärts und ließ sich schließlich in Lübeck nieder, wo er 1948 an einer Oberschule seinen Abschluss machte. Nach Diakonischem Dienst, Theologiestudium in Bethel, in Hermannsburg und Birmingham/England schloß er 1956 seine akademische Ausbildung in Hamburg ab und heiratete noch im gleichen Jahr.
Gemeinsam mit seiner Frau Christa reiste Johannes Launhardt 2 Wochen nach seiner Hochzeit nach Äthiopien aus, wo auch seine 3 Töchter geboren wurden, und übernahm hier im Dienst der Evangelischen Kirche die unterschiedlichsten seelsorgerischen, aber auch lehrenden Aufgaben und Funktionen. 1976 zwangen politische Unruhen und Bürgerkrieg zur Rückkehr nach Deutschland.
1984 kehrte er, wiederum begleitet von seiner Frau, in das noch immer vom Bürgerkrieg beherrschte Land zurück, blieb dort weitere 7 Jahre und übte seinen von christlicher Nächstenliebe beseelten Dienst an den Menschen aus. Er wurde bereits 1975 mit dem Bundesverdienstkreuz am Zum Gedenken an Pastor Dr. Johannes Launhardt Bande für sein soziales Engagement in Äthiopien ausgezeichnet und erhielt 1991 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein Engagement in der Hungerhilfe und seiner Unterstützung politischer Flüchtlinge.

Der für 1992 in Hermannsburg geplante Ruhestand war nur von kurzer Dauer, denn schon im Folgejahr erreichte ihn ein Ruf aus der untergegangenen Sowjetunion, dem der Verstorbene folgte und ehrenamtlich den pastoralen Dienst in Baschkirien am Ural aufnahm. Von 1994 bis 1997 war er als Propst von Moskau und Zentralrussland tätig. Als letzte Station seines beruflichen Wirkens in Russland folgte 2006 die Berufung in das Amt des Bischofs der evangelisch-lutherischen Kirche im Südkaukasus mit Georgien, Aserbaidschan und Abchasien, das er bis 2008 ausübte.

Neben seinem christlichsozialen Engagement hatte sich Johannes Launhardt auch der wissenschaftlichen Arbeit verschrieben, mehrere Bücher veröffentlicht und 2004 an der Universität Hamburg im Fachbereich Orientalistik zum Dr. phil. promoviert. Noch während seines Aufenthaltes im Ausland brachte er sich engagiert in die Arbeit der vereinigten Heimatkreise Meseritz/Birnbaum ein und hat seit 2002 an zahlreichen Orten unserer Heimatregion in Andachten und ökumenischen Gottesdiensten anläßlich der Einweihung von Gedenkstätten die ev. Kirche vertreten. Dabei fand er stets klare Worte für die unmenschlichen Verbrechen, die von Deutschen und Polen gegenseitig begangen wurden. In gleicher Deutlichkeit forderte er jedoch auch immer wieder zur Versöhnung beider Völker auf. Für seine Friedensarbeit zeichnete ihn die Landmannschaft Weichsel-Warthe im Jahre 2014 mit dem Bundeskulturpreis aus.

Auch wenn ihm das Reisen in den letzten Jahren schwerer gefallen sein mag, hat er sich doch nie der Bitte um Hilfe, um geistlichen Beistand, um Anwesenheit der ev. Kirche und „Flagge zeigen“ bei besonderen Anlässen in unserer Heimatregion versagt. Für den HKr Meseritz und die HKG Birnbaum war er im Juni vergangenen Jahres ein letztes Mal tätig, als er gemeinsam mit seinem katholischen Amtsbruder in Trzciel/Tirschtiegel einen ökumenischen Gottesdienst leitete und anschließend an der Gedenkstätte auf dem ehemaligen ev. Friedhof, die er selbst 2002 eingeweiht hatte, das nach seiner Zerstörung restaurierte Kruzifix neu weihte.

Johannes Launhardt hat sich mit seiner ganzen Kraft für Frieden und Verständigung eingesetzt, wobei ihm der Ausgleich zwischen Polen und Deutschen stets ein besonderes Anliegen war. Dafür ist ihm der HKr Meseritz/Birnbaum für alle Zeit zutiefst dankbar, und nur allmählich wird klar, was für eine große Lücke er tatsächlich in unserer Gemeinschaft zurücklässt.
Wir trauern aufrichtig mit seiner Familie um den Verlust eines Freundes, dessen unerschütterliches Vertrauen auf Gott, seine Aufrichtigkeit wie auch seine Hilfsbereitschaft und die ihm eigene Bescheidenheit in jeder Hinsicht vorbildlich waren. Mögen ihm die Verheißungen der Schrift, an die er mit fester Zuversicht glaubte, zuteilwerden.
Albrecht Fischer von Mollard