Gedenkgottesdienst in Rybojady/Hoffmannstal am 10. Juni 2018
11. Jahrestag der Gedenksteinweihe für die deutschen Toten

Text und Fotos von Johanna Hüttner

Es ist uns immer wieder ein Anliegen, in der alten Heimat gemeinsam mit Deutschen und Polen unserer Toten zu gedenken.
Seit der Weihe unseres Gedenksteines in Rybojady/Hoffmannstal am 16. Juni 2007 findet jährlich auf dem katholischen Friedhof an der Straße zwischen Tirschtiegel/Trzciel und Betsche/ Pszczew ein Gedenkgottesdienst statt. In diesem Jahr war das am 10. Juni 2018.

11. Jahrestag Gedenksteinweihe für Hoffmannstal / Rybojady 2018
Am 7. Juni 2018 reisten die Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt in Naßlettel/Lutol Mokry bei Familie Golek an. Am Freitagmorgen kam unser langjähriger Freund Wojtek Derwich zu einer letzten Absprache für den Gedenkgottesdienst am 10. Juni in Rybojady nach Naßlettel/Lutol Mokry. Hier wurde der Ablauf des Gottesdienstes festgelegt.
Ebenfalls am 10. 6. sollte um 11 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in Tirschtiegel/Trzciel stattfinden, um eine Nachweihe des Gedenkkreuzes auf dem evangelischen Friedhof vorzunehmen, bei dem die Rybojadler/Hoffmannstaler auch gern teilnehmen wollten.
Der Gedenkstein in Rybojady war ringsum mit frischen Blumen geschmückt, die Kerzen waren neu aufgesteckt sowie alles gesäubert und aufgeräumt. Das alles hatten die Heimatfreunde aus Sachsen-Anhalt zusammen mit Leonarda Blawuciak erledigt.

Am 10. Juni 2018 begann der Gottesdienst in Rybojady mit Pfarrer Tomasz Gawlik pünktlich um 10 Uhr. In diesem Gottesdienst wurde von Pfarrer Gawlik an den 11. Jahrestag der Gedenksteinweihe erinnert.
An diesem Gottesdienst nahmen auch Albrecht Fischer von Mollard, seine Ehefrau Ulla, sein Bruder Claus-Ekkehard Fischer von Mollard mit Frau und Thea Schmidt, die jetzt den Heimatgruss für ihren verstorbenen Mann weiter fortführt, teil. Die zuletzt genannten Personen mußten den Gottesdienst leider 10 Minuten vor Ende verlassen, um pünktlich beim ökumenischen Gottesdienst in Tirschtiegel/ Trzciel zu sein.
Am Ende des Gottesdienstes gab uns der Pfarrer noch Gelegenheit, Worte des Dankes zu übermitteln sowie unserer Toten zu gedenken. Den Text für das Totengedenken sprachen Gerhard Hüttner, Ehemann von Johanna Hüttner geb. Dynio aus Rybojady, und die Übersetzung für unsere polnischen Teilnehmer Wojtek Derwich:

„Liebe polnische Freunde, liebe Heimatfreunde!
Mit Dankbarkeit sehen wir zurück, als vor fast 11 Jahren, am 16. Juni 2007, dieser Gedenkstein für unsere verstorbenen Landsleute aus Rybojady geweiht wurde. Daß es überhaupt dazu kommen konnte, war vor allem der Initiative und dem großen persönlichen Einsatz unserer Heimat-freundin Irmgard Gotzmann-Fietz und Dr. Klaus Scheel zu danken, aber auch der Hilfe polnischerPersönlichkeiten aus der katholischen Kirche und der Verwaltung.
Eine besonders hilfreiche Rolle spielte damals, neben vielen Einwohnern dieser naturnahen Gemeinde, unsere hier wohnende Freundin Leonarda Blawuziak. Lassen Sie uns nun unserer Toten gedenken.

Dazu bitte ich Sie, sich von den Plätzen zu erheben.
- Wir erinnern uns und gedenken unserer Toten,
die noch in heimatlicher Erde bestattet wurden.
- Wir gedenken der in unseligen Kriegen gefallenen
Väter, Männer, Brüder und Söhne.
- Wir gedenken der Kinder, Frauen, Männer, die
eines gewaltsamen Todes sterben mußten.
- Wir gedenken der Menschen, die sich schützend
vor Frauen und Kinder stellten und dafür ihr Leben
lassen mußten.
- Wir gedenken aller Menschen, die durch Flucht
und Vertreibung ihr Leben verloren.
- Wir gedenken der Menschen, die in Konzentrationslagern
sterben mußten.
- Wir gedenken unserer Heimatfreunde, die im letzten Jahr uns in die ewige Heimat, in die Ruhestatt bei Gott, vorausgegangen sind. Stellvertretend für diese sei hier unser ehemaliger Vorsitzender des Heimatkreises Leonhard v. Kalckreuth genannt, der im Alter von 87 Jahren am 14. Juli 2017 starb und in Betsche beigesetzt wurde.
Gott schenke allen Verstorbenen die ewige Ruhe.
Requiecant in pace. Sie mögen in Frieden ruhen.
Für sie beten wir jetzt gemeinsam das Vaterunser.“

Nach den Dankesworten und dem Segen des Pfarrers folgte ein gemeinsames Erinnerungsfoto am Gedenkstein mit den polnischen und deutschen Teilnehmern. Gleichzeitig wurde eine Einladung an alle zu einer gemeinsamen Kaffeetafel um 15 Uhr nach Naßlettel/Lutol Mokry ausgesprochen.

Nun fuhren wir Heimatfreunde noch gemeinsam nach Tirschtiegel zu dem ökumenischen Gottesdienst. Obwohl wir zu spät kamen, konnten wir noch die Predigt mithören. Das Hauptanliegen der Predigt war die Schändung des Gedenkkreuzes auf dem alten evangelischen Friedhof.
Beide, der evangelische Bischof Launhardt und der katholische Priester gingen in ihren Ansprachen auf die Schändung der Christusfigur ein. Keiner konnte nachvollziehen - ob christlich gesinnt oder nicht - wie so etwas geschehen kann. Der deutsche Bischof Launhardt hat ganz klare Worte an die unbekannten Täter gerichtet und man merkte den Gesichtsausdrücken der kirchlichen Teilnehmer an, daß es so etwas nicht geben darf.
Die gesamte Predigt von Bischof Launhardt wurde ins Polnische durch unsere jahrelang bekannte Betreuerin des Heimatkreises, Frau Prof. Malgorzata Czabanska-Rosada, übersetzt. Nach dem Gottesdienst trafen sich polnische und deutsche Gottesdienstteilnehmer auf dem evangelischen Friedhof. Die Stadt Tirschtiegel/ Trzciel hatte den Friedhof um den Gedenkstein herum gesäubert, eine neue Christusfigur am Kreuz anbringen lassen und die Gedenkstätte wieder hergerichtet.
Hier am Kreuz gab es Ansprachen vom deutschen Bischof und dem katholischen Pfarrer sowie dem Vorsitzenden des Heimatkreises, Albrecht Fischer v. Mollard, und dem Bürgermeister der Stadt Trzciel, Herrn Kaczmarek. Dieser versprach, die Gedenkstätte als solche zu behandeln und zu pflegen.
Das Kreuz wurde nun nochmals von Bischof Launhardt und dem Pfarrer geweiht. Alle Ansprachen wurden von Frau Prof. Malgorzata Czababnska-Rosada übersetzt.

Es war sehr schade, daß die Heimatfreunde, die mit Herybert Schulz vom 7. bis 10. Juni in der alten Heimat waren, keine Zeit mehr für diesen Gottesdienst fanden. Ihre Abreise war an diesem Sonntag leider gleich nach dem Frühstück. Anschließend trennten wir uns mit herzlichen Worten des Abschieds auf dem Friedhof. Die Heimatfreunde aus Rybojady, Familie Hans-Georg Bange, Horst Dynio mit Partnerin, Bruno Fietz und Familie Hüttner fuhren nach Naßlettel/Lutol Mokry zum Kaffee, zu dem auch polnische Gäste aus Rybojady mit Pfarrer Tomacz Gawlik kamen. Mit Zustimmung der Familie Golek gab es auf der Terrasse des Gästehauses am See selbstgebackenen Kuchen und Kaffee. Bei kühlen Getränken verging die Zeit sehr schnell.
Unterstützt wurden die Gespräche durch die langjährige Freundin Leonarde Blawuciak. Freund Wojtek Derwich, Partya Mikowska und deren Bekannte sowie Pfarrer Tomacz Gawlik. Diesen Personen gilt unser besonderer Dank für die Übersetzungen in die jeweils andere Sprache. Auch herzlichen Dank an Michael, dem Sohn von Partya Mikowska, der uns mit Gesang aus seinem Bildungsseminar unterhielt. Nach dem gemütlichen Nachmittag gab es ein Abschlußfoto und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jahr 2019.

11. Jahrestag Gedenksteinweihe für Hoffmannstal / Rybojady 2018
Wir als Organisatoren sind stolz darauf, daß die Veranstaltung so gut gelaufen ist und die Freundschaft zu unseren polnischen Nachbarn weiter gefördert hat. Familie Hüttner mußte aus persönlichen Gründen sofort danach die Heimreise antreten.
Familie Reetz mußte die Reise in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen absagen. Alle Heimatfreunde wünschen Magdalena Reetz beste Genesung und alles Gute.

Nochmals allen Anwesenden ein großes Dankeschön für ihr Kommen und wir hoffen auf ein Wiedersehen 2019 in Rybojady.